Hallo Feli, hier ein paar Mutmaßungen. Halte uns auf dem Laufenden, wenn dir eine große Einordnung des Sechsteilers gelingt.
Die Menschen
werden in ihrem Stellenwert für die Gesellschaft allein über ihre Arbeit
definiert. Diese Arbeit wird in „Trepalium“ unter äußerstem Konkurrenzdruck
getan. – Eine ähnliche Grundlage hat Michel Houellebeqs Roman „Ausweitung der
Kampfzone“. Auch in „Karte und Gebiet“ reflektiert der Autor das Verhältnis
Mensch-Arbeit. Als Star-Autor dürfte Houellebeq in Frankreich derartige Themen
gesetzt und besetzt haben, so dass du hier durchaus von einem Einfluss sprechen
kannst.
Man muss kein
Romanist sein, um die Figur „Verbrecher/Revolutionär hinter bürgerlicher Maske“
auf einer Linie zu sehen, die von der Romantik über Eugène Sues „Die
Geheimnisse von Paris“ und die Fantomâs-Schinken zu dem Lehrer und Sol führt.
„30 Jahre
Mauer“ entspricht ziemlich gut „40 Jahre Ostzone“. Hier scheint Deutschland
einen Rahmen zu setzen, so dass sich eine weitere Anspielung ebenfalls in
Deutschland verorten lässt: Wenn Zoe sich als ‚erfahrene Kraft in Fragen der
Infrastruktur und Verwaltung’ den siegreichen Rebellen andient, dann dürfte das
auf den Nazi-Beamtenapparat verweisen, den die junge BRD-Regierung 1949 ff. in
Dienst stellte.
Eine Stadt mit
Namen Jerusalem schützt sich im Film „World War Z“ vor Zombies, die freilich
noch etwas stigmatisierter erscheinen als die Arbeitslosen in „Trepalium“.
‚Schwarze
können nicht in eine weiße Gesellschaft integriert werden’, lautete in den
1810er Jahren die Überzeugung all der US-Amerikaner, die entlassene Sklaven an
die Küste von Liberia aussiedelten. Führend dabei war Präsident James Monroe,
dem der wankelmütige Apartheid-Politiker Monroe Moretti sicher seinen Vornamen
verdankt.
Die Figur
Isia, wenn sie mal nicht so furchtsam schaut, sieht im Profil bisweilen Pam
Grier in Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ ähnlich. Die ist ja ebenfalls eine
große Grenzgängerin mit Aufgaben auf beiden Seiten.
Das
beigebraune Interieur der Privatwohnung in der Stadt erinnert vage an das blaue
in Rainer Werner Fassbinders „Welt am Draht“. Abgerundete Ecken und
kreisförmige Fenster mögen in vielen SF-Filmen vorkommen. Trotzdem lohnt sich
wahrscheinlich ein Vergleich. Jetzt wird’s aber eher spekulativ, und daher
Schluss.