Ich höre schlimmsten deutschen Gangsterrap und bin mir sehr wohl sicher, dass das für einen 40-jährigen, weißen Spießer wie mich wahrscheinlich irgendeine Form des "Ausbruchs" ist. Und ein kalkulierter, halbwegs sozialverträglicher Ausbruch ist ja im Grunde auch nichts anderes, als sich selbst einzureden, ein Rebell zu sein. Aber bevor ich mich noch länger auf die Couch lege, gehe ich lieber beschwingt zum nächsten Rap-Konzert, zusammen mit lauter 14-jährigen, die mich allesamt für einen schlecht verkleideten Zivilpolizisten halten.
In diesem Zusammenhang: Wogegen ich tatsächlich auch nach außen hin wirksam rebellieren will, ist die alles ausschließende Helikopter-Erziehung, die in meiner Empfindung das Konzept von 95 Prozent meiner Mit-Eltern ist: nichts soll passieren, nichts darf schiefgehen, sonst klappt das mit dem Oboen-Unterricht an spätestens fünf womöglich nicht.
Ich liebe meine Dreijährige. Und deshalb stelle ich mir gerne gickernd und glucksend vor, wie sie in der Krippe steht und Rap-Zeilen zitiert, die wir regelmäßig zusammen im Auto brüllen (und die alles andere als dreijährigengerecht sind) - sie lauter als ich. Und wie Helikopter-Eltern um sie herumstehen, es mitbekommen, schnappatmen und überlegen, ob sie nicht das Jugendamt informieren sollten.
Es hat mich nicht umgebracht, dass mein Vater mich in eine verrauchte Kneipe zum Frühschoppen mitgenommen hat. Stoff für eine "Früher war alles besser"-Geschichte ist die Episode aber weiß Gott nicht. Doch ein wenig mehr Bekloppt- und Unverkrampftheit im Umgang mit unseren Kindern würde der Welt schon gut tun. Dies zu erreichen, ist die Mission meiner Ein-Mann-Rebellen-Armee.
p.s. Ich bin noch neu hier. Das Auf-den-Punkt-Kommen werde ich nachliefern, versprochen.