Das Thema Reise/Reisen ist so unendlich groß! Ich würde liebend gern zu Euren Gedanken weit weit ausholen und erzählen. Aber, meine Mittagspause endet gleich ... trotzdem:
Am Liebsten würde ich bei Gilgamesch anfangen, verhaspele mich dabei jedoch. Weil der Bau der Stadtmauer in Uruk mich aufhält, das ewige Thema Grenzen. Schon in jenen Zeiten also. Das kommt einem doch so bekannt vor.
G. Reise ins Innere, die Suche, um Unsterblichkeit zu finden. ...
Eines meiner liebsten Bücher zum Thema Reisen und Erfahrungen sammeln ( ja, "eigentlich" gehört da auch der Alexander von Humboldt hin) ist der Roman "Persische Briefe" von Montesquieu.
Der 1721 erschienene Roman besteht aus fingierten Briefen, in denen zwei durch Europa reisende Perser mit dem unverstellten Blick der Fremden die Ungereimtheiten der abendländischen, "zivilisierten" Lebensformen bloßstellen. Mit seinem Kampf gegen menschliche Borniertheit und seinem entschiedenen Plädoyer für die Toleranz gehört Montesquieus Werk zu den unvermindert aktuellen Dokumenten der europäischen Aufklärung.
aus: s.o. ebenda
Wenn man also Glück hat, Auge, Herz und Verstand richtig einzusetzen vermag und will, dann könnte man doch durch Reisen ein beteiligter Zeuge werden, was das Leben, Schicksal und Glück der Menschen und der Natur anbelangt. An fernen, allerfernsten Orten oder aber auch im unmittelbarem Raum.
Bernhard und Amenogold, Euren Zeilen kann ich gut folgen und bin damit d'accord.
Eine literarische Perle zum Thema Kreuzschifffahrt, die sicher dem Einen und Anderen bekannt sein dürfte, ist von David Foster Wallace "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich". DVW beschreibt in diesem Reisebericht auf einem Luxusliner seinen Blick auf unsere absurde Welt ... das ist ihm ziemlich gelungen.
Gerade dieser Tage las ich von der Fertigstellung des weltgrößten Kreuzfahrtschiffes, das für über 5000 Personen ausgelegt ist und höher als der Eiffelturm sei. Also, eine kleine Stadt auf ein paar Quadratmeter gequetscht. Es ist für mich erstaunlich, dass Urlauber auf diese Art Erholung suchen und sie auch finden.
Es mutet unwirklich an.
Und zum Ende dieses kleinen Artikels noch Gottfried Benn's Lyrik eingefügt, die Aussage spricht für sich:
Gottfried Benn
REISEN
Meinen Sie Zürich zum Beispiel
sei eine tiefere Stadt,
wo man Wunder und Weihen
immer als Inhalt hat?
Meinen Sie, aus Habana,
weiß und hibiskusrot,
bräche ein ewiges Manna
für Ihre Wüstennot?
Bahnhofstraßen und Rueen,
Boulevards, Lidos, Laan –
selbst auf den Fifth Avenueen
fällt Sie die Leere an –
ach, vergeblich das Fahren!
Spät erst erfahren Sie sich:
bleiben und stille bewahren
das sich umgrenzende Ich.
(Ach, und das Eisenbahngleichnis von Kästner ... und und und )
Ich reise übrigens leidenschaftlich gerne. Insbesondere zu Fuß und auf weite Strecken, dorthin, wo man nur zu Fuß hin kann; kein Auto, kein Lift, ein Hubschrauber vielleicht, aber der 
Mythos Reisen - ja, für viele Menschen dürfte eine falsche Erwartungshaltung dem ersehnten Ziel ein Strich durch die Rechnung machen. Das "sich erden" müssen viele wieder oder erst lernen.