Folge 1: Tim Hunt, Biochemiker
Was hat er gesagt?
Let me tell you about my trouble with girls. Three things happen when they are in the lab: you fall in love with them, they fall in love with you, and when you criticise them they cry.
Und dann noch:
Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Jungen und Mädchen haben.
Wo?
Bei einer Tischrede zum Lunch während einer Konferenz 2015 in Seoul.
Was muss man noch wissen?
Hunt selbst hat seine Ehefrau bei der Arbeit im Labor kennengelernt.
Was passierte dann?
Noch während er im Flieger nach Hause saß, legte ihm seine Universität, alamiert durch die Alarmierung einer Netz-Crowd, den Rücktritt nahe. Hunt verlor neben seiner Professorenstelle auch seine Ämter im Europäischen Forschungsrat und der Royal Society.
Was meint die Presse?
Die FAZ ist der Meinung, dass Tim Hunt nur
in angelsächsischer Manier gefrotzelt hat. Wie aus dem Bericht eines Beobachters der Europäischen Union hervorgeht, leitete der Nobelpreisträger seine kleine Tischrede mit den Worten ein, wie seltsam es sei, „dass ein chauvinistisches Monster wie ich gebeten worden ist, vor Naturwissenschaftlerinnen zu reden“. Darauf folgte der Satz: „Lassen Sie mich Ihnen über mein Problem mit Mädchen im Labor erzählen.“
Wer mit Hunts Biographie vertraut ist, dürfte darin eine humorvolle Anspielung erkannt und spätestens dann gemerkt haben, dass die Forderung nach getrennten Laboren als Witz gemeint war, als er „Spaß beiseite“ sagte und erklärte: „Ich bin beeindruckt von der wirtschaftlichen Entwicklung in Korea. Und Wissenschaftlerinnen haben ohne Zweifel eine wichtige Rolle dabei gespielt.“ Die Naturwissenschaft brauche Frauen, fuhr Hunt fort und rief die Anwesenden auf, sich nicht durch Hindernisse und „Monster wie mich“ von den Naturwissenschaften abhalten zu lassen.
Die TAZ meint:
Wenn Hunt, wie er nun beteuert, Frauenförderung wirklich ein Anliegen wäre, lägen andere Vorschläge als getrenntgeschlechtliche Labore vielleicht doch näher. Dass Frauen dasselbe verdienen wie Männer. Ein Arbeitsklima, in dem Männer nicht meinen, sie könnten launige Sprüche über „troubles with girls“ machen. Kritik so anbringen, dass niemand einen Grund hat zu heulen. Und die Machtstrukturen ändern, indem man verbohrte alte Männer mit kruden Ideen aus Führungspositionen verbannt.
Und der Nobelpreisträger selbst?
Blieb bei seiner Aussage, aber entschuldigte sich auch.
I did mean the part about having trouble with girls. I have fallen in love with people in the lab and people in the lab have fallen in love with me and it's very disruptive to the science because it's terribly important that in a lab people are on a level playing field. I found that these emotional entanglements made life very difficult. I'm really, really sorry I caused any offence, that's awful. I certainly didn't mean that. I just meant to be honest, actually.
In der nächsten Folge: Kevin Roberts, Chef der Werbeagentur Saatchi & Saatchi