Egal wie Angela Merkel sich entschieden hätte, sie hätte so oder so eine Entrüstungswelle ausgelöst. In dieser Zwickmühle, die bei näherer Betrachtung gar keine ist, hat sie sich eben so entschieden wie es für sie am Besten ist.
Es geht also in dieser Frage im Grunde nicht um Merkel und ihr Verhältnis zur Türkei, sondern darum, wie jeder für sich selbst mit dem Thema Satire und Freiheit der Kunst umgehen will. Der Prüfstein kann dabei nur ein 'Kunst-Satire-Produkt' sein, das ein Thema aufs Korn nimmt, das einem selbst als 'heilig' gilt.
Welche Grenze der Einzelne dabei zieht ist ihm selbst überlassen. Für die Gesellschaft insgesamt ist diese Grenzziehung weit schwieriger, weil sie kein Subjekt ist, sondern ein Konglomerat subjektiver Grenzziehungen. Orientierungspunkte dabei sind die Verfassung, die bisherige Praxis und die sog. Öffentliche Meinung. Für diesen Abwägungsprozess braucht es Profis, die dies gelernt haben und diese Arbeit auch tagtäglich ausüben, also die Gerichte. Auch wenn man nicht alle Urteile in solchen oder ähnlichen Fällen gut findet, etwas besseres haben wir nicht zur Verfügung.