Salvete, Poschmann, Betke und Pecher!
Grundzüge einer nicht ganz blöden Intelligent-Design-Argumentation
(1) Fassen wir nochmal die Verteidigungslinien der ID-Leute zusammen:
a)
Basisthesen: Hochkomplexe Systeme und die Entwicklung zum Menschen machen es weniger wahrscheinlich, dass es sich um Produkte eines blinden, zufallsgesteuerten Trial-and-Error-Verfahrens handelt. Der Mensch hat eine Art „magisches Denken” in seinem Bewusstseinsapparat. Es wird etwa aktiviert, wenn man z.B. den film „Herr der Ringe” sieht. Es wird aktiviert bei bestimmten Naturerlebnissen: „Numinosum” (Der Joscha kennt das).
b)
Das menschliche Bewusstsein ist ein Adaptionsorgan: Es nimmt nicht alle Weltdaten auf. Ein Hund hört andere Frequenzen, es gibt entsprechende Farbspektren, der Instinkt des Menschen warnt ihn als Autofahrer nicht davor, im Nebel zu rasen - offensichtlich ist im adaptiven Apparat eine bestimmte Standardwelt ohne Autobewegung vorgesehen.
c)
Die Welt, an die sich unser Erkenntnisapparat im Laufe der Evolution angepasst hat, ist nur ein Aus-schnitt der wirklichen Welt, der sog. Mesokosmos. Der Mesokosmos ist die Welt der mittleren Dimen-sionen, die in der Zeit von Sekunden bis zu Jahrzehnten, in den Abständen von Millimetern bis zu Kilometern, in den Geschwindigkeiten von Ruhe bis zu 10 m/s ,in den Massen von Gramm bis zu Tonnen und in den Temperaturen von -10 Grad bis zu 100 Grad reicht und bei der Komplexität von 100 Wechselwirkungen endet. Der Hinweis auf extraterrestisches Leben von unsrem Lateinbiologen passt hier gut herein. (vgl. Pechers Argument von derÜberprüfbarkeit extraterr.Lebens)
d)
Der unmittelbaren Wahrnehmung und Erfahrung ist nur der Mesokosmos.
zugänglich. Darüber hinaus kann nur theoretisch - wissenschaftliche Erkenntnis gewonnen werden, deren reale Objekte nur dann „anschaulich” gemacht werden können, wenn ihre reguläre Transformation in den Mesokosmos möglich ist. Die Objekte der modernen Physik können nicht in den Mesokosmos transformiert werden und können deshalb auch nicht anschaulich sein. Anschaulichkeit ist kein Wahrheitskriterium. (Vollmer)
e)
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass uns formende Kräfte oder entsprechende Instanzen - irgendwann einmal - außerhalb des Mesokosmosbereiches empirisch erfassbar sind. Einstweilen können wir mehr oder weniger plausible Theoriegebäude bauen.
f)
Selbst wenn man zugibt, dass ein sich selbst organisierendes System die evolutionäre Entwicklung hinreichend erklären kann: Der Zufallsbegriff ist problematisch, das Erklärungsmodell Feinabstimmung ist nicht von der Hand zu weisen, selbst wenn man Occamsche Prinzipien ansetzt: Die Evolution des menschlichen Verhaltens scheint neben aggressiven, egoistischen Programmen auch kooperierende Programme zu enthalten: Eine Null-Summen-Spiel-Ethik könnte durch Globalisierungen verstärkt werden. Eine Art "Human"-Programm insgesamt - religiöse, an einer irgendwie guten Instanz orientierte Erklärungsmodelle sind nicht ganz abwegig, selbst wenn man das Naturübel in der Welt nicht wegdiskutieren kann.
g)
Vorsichtiger ausgedrückt: Im Wandel von Zeitgeist, Evolutionstheorie und Menschenbild ist weder ein sinnloses kosmisches Getriebe noch eine prästabilisierte Harmonie zu erkennen, jedoch zeigt sich, dass der Mensch seine Herkunft, seine Geschichte, die Bescheidenheit seiner Austattung, seine Überheblichkeit, seine Verflechtung im Komplexen und seine Verantwortlichkeit für die Welt immer besser verstanden hat und seine widersprüchlichen Vorstellungen auf eine poststabilisierte Harmonie zulaufen. (Riedl)
h) Das Spagetti-Monster ist so gesehen nichts anderes als die uns bekannte Sache, dass wir Menschen im Mesokosmos eine Instanz zu benennen und zu modellieren suchen, die als Designer „hinter den Dingen” arbeitet und/oder gearbeitet hat. Die (absurde) Austauschbarkeit der Instanzmodelle ist kein Beleg dafür, dass die Designer-Theorie absurd ist.
(2) Zur Bierhypothese (vgl. Betkes Posting)
Es ist sicher richtig, dass auch das Unwahrscheinliche gelegentlich passiert: Irgend jemand bekommt eben tatsächlich den Millionengewinn im Lotto. Oder Betkes Bierglas. Oder - der Joscha - hat das mal gebracht: Eine „unendliche” Fogle der gleichen Zahl bei einem unmainpulierten Würfel. Man gibt sich mit dem Zufall als Erklärung zufrieden. Mehr steckt nicht dahinter.
Nun ist allerdings der Hinweis auf den Zufall gar keine Erklärung. Der Begriff Zufall ist (nach KANT) ein limitativer Begriff, ein Grenzbegriff, der etwas verneint, ohne selbst eine konkrete Bestimmung zu haben: Zufall ist in den Naturwissenschaften Nicht-Gesetz, er markiert lediglich die Grenze der Berechenbarkeit undVorhersagbarkeit durch Gesetze. Der Zufall bewirkt nichts. Naja, ist ein bisschen rabulistisch.
Insbesondere kann und darf zufälliges Geschehen im Rahmen der Methodik der Naturwissenschaften nicht gewertet werden. Dort haben wir es nur mit Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu tun. Wer ein Geschehen als planlos oder absichtslos wertet, wie es der umgangssprachliche Zufallsbegriff nahelegt („blinder Zufall”), verlässt den naturwissenschaftlichen Bereich. In anderen Zusammenhängen kann zufälliges Geschehen aber durchaus planvoll und sinnvoll sein.
Dazu zwei Beispiele:
- Im Schachspiel ist die Zuglänge eines Läufers in den Schachregeln nichtfestgelegt. Einem unkundigen Zuschauer werden in einem Spiel die Züge mit den Läufern zufällig erscheinen. Gerade dahinter verbirgt sich aber die Strategie (der Plan, die Absicht) des erfahrenen Spielers
- Der Autoverkehr auf einer Straße hat viele Merkmale, die zufällig sind: Die Typen der vorbeifahrenden Autos, ihre Geschwindigkeiten, die Fahrzeugabstände usw.. Sie sind zufallsverteilt für eine Planungsbehörde oder einen Polizisten amStraßenrand. Aus der Sicht der einzelnen Autofahrer wäre es aber unsinnig, dieses Geschehen deshalb als planlos oder sinnlos zu werten. Jede einzelne Fahrt kam ja aufgrund eines Willensentschlusses zustande!
- Auf die Naturwissenschaften bezogen bedeutet dies, daß auch hier dem zufälligen Geschehen in einem anderen Deutungs-Zusammenhang möglicherweise ein Sinn, ein Plan zugeordnet werden kann. Der Hinweis auf die Zufälligkeit derFeinabstimmung ist also zunächst noch unbestimmt, was die Interpretation desZufälligen anbelangt. Für eine Deutung sind dann allerdings außerwissenschaftliche Vorentscheidungen nötig. (Hägele)
(3) Links zu ID (Die Mausefalle-Sache z.B.)