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Kein Ethos im Kosmos (Tagebücher)
Tagebuch von Miriam Sauerthal, veröffentlicht am 4.7.2005 um 23:18:16

In der Weite des Alls. In der Weite ein Rauschen. Unverständlich für uns, selbst wenn wir nicht auf dem blauen Rund verweilen müssten, selbst wenn wir unsere Herzen öffneten, weit für das All, für die Liebe, für die kosmologische und alles, alles transzendierende.  

Glücklicherweise haben wir H'rarh. Ein Kanalwesen, dessen Poren so weit geöffnet sind, dass es sich selbst in ihnen umgekehrt und aufgelöst hat und dennoch sehr verständig zu uns spricht:

„Ich frage mich, was sie sich dabei gedacht haben”, rauschte Mizlöpo das Sphärenwesen, mit einem lahmen „Blick” auf Tempel 1, „da sind diese hässlichen, materiegebundenen Viecher so viele, nach ihrer einfältigen Auffassung, Entfernungen weit weg und entblöden sich dennoch nicht, zur Mittagsstunde des heiligen Chaos einen Kühlschrank in die Weiten des Alls zu schleudern, nur um zu schauen, was das wohl geben wird. Wer hat ihnen bloß solche Mondkrater ins Kontrollzentrum fressen lassen?”
(Sphärenwesen äußern sich für gewöhnlich nicht, jedenfalls nicht so, dass es in irgendwelchen Worten zu beschreiben wäre. Und hätten wir nicht H'rarh, würden wir nicht einmal das von ihnen wissen.)

Mizlöpo jedoch war gerade auf einer All-Kultur-Bildungsreise und konnte, in Anbetracht des, um verständliche Maßangaben zu bemühen: fußballstadiongroßen Kraters in der aberäonenalten Büste des letzten Abkömmlings der Sternenputzerdynastie, nicht an sich halten. Er leuchtete und wand sich, strahlte in Gamma und wurde 10000 Grad heiß, was in h'rarisch übersetzt, soviel wie 'einen Zustand äußerster Empörung ohne große Worte', bedeuten musste.

„Und wie zum Hohn”, fuhr Mizlöpo aufgebracht und an die Weiten und in das Rauschen des Alls gewandt fort, „unterstreichen sie, dass sie das einmalige Stück allhochkultureller Kunst und Wichtigkeit, an der genau vorgesehenden Stelle getroffen hätten! Banausen. Glauben wirklich dadurch herauszufinden, wohin das Licht im Kühlschrank geht, wenn er zu ist, woher die blaue Farbe kommt, die sie Wasser nennen und in ihren nanösen Schaltkreisen für wirklich halten.”

Beruhigenderweise kam es Mizlöpo nicht in den Sinn, sich vorzustellen, was passiert wäre, wenn just im Vollzuge des Impakts von Deep Impact, seine entfernten Freunde die Schwebeelefanten einen Halt in den klaren Nebeln unweit von Tempel 1 gemacht hätten. Sie wären vom Strahl des (von den Materiefetischisten so genannten) Kometengesteins auf jämmerlichste deformiert worden, vermutlich so deformiert, dass sie ihre Existenz als Schwebezehlefanten hätten fortsetzen müssen. Was für eine Schande.

Was Mizlöpo nicht zu vermuten wagte, gab einem anderen supramentalen Wesen Anlass genug, seine Outputschüsselchen auf openwide zu justieren und in hochverschlüsseltem Code die Nachricht "Stecker ziehen! Nur Frau M. Bai an einen neuen Tank anschließen!" Richtung Traumstation „Earth and Error” zu senden.

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Kein Ethos im Kosmos | 2 Kommentare (2 inhaltlich, 0 redaktionell, 0 versteckt)
Hihi (keine/0) (#1)
von Boris Lavicka
verfasst am 5.7.2005 um 12:54:24

Eigentlich sollte „Satire” Pflichtfach auf höheren Schulen werden. Ach was, schon im Kindergarten!



Aber nicht doch, (keine/0) (#2)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 5.7.2005 um 13:18:56

verehrtester Bahnhofstourist - hier ist alles ernst gemeint, bierernst und dient der Verteidigung der kosmologischen Harmonie und als Aufruf zu einer Entfaltung einer universalen, all-seits orientierten Gestimmtheit. Und Liebe - natürlich.

[ Bezug ]


Kein Ethos im Kosmos | 2 Kommentare (2 inhaltlich, 0 redaktionell, 0 versteckt)

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