…über die neue Kreationismus-Welle gelesen habe, hat es mich erschreckt. Das christliche Dogma hat angeblich allein eine allgemeingültige Schöpfungsgeschichte, wobei es viele Kulturen gibt, die sich die Entstehung ganz anders und nicht weniger plausibel als die „Adam und Eva story” vorstellen. Die Bibel ist ein Märchenbuch, dass wie alle guten Märchenbücher, kollektive Erkenntnisse widerspiegelt, die Figur Gottes findet sich global, ist jedoch viel facettenreicher. Kulturen die großes geschaffen haben und lange Zeiten existierten, verteilten die Schöpfungskräfte auf viele Schöpfer und ein dezentralisiertes Denken setzte ein. Die Aufklärung fand aber schon in der Antike statt, denn der Götterglaube substituierte nur das fehlende Wissen. Tatsache ist, dass viele Dinge das Leben formen. Atomare Zustände, Moleküle, Wasser, Wetter, Bewegung, Temperatur, etc.,
wie blöd muss man eigentlich sein, um wirklich jede wissenschaftliche Erkenntnis zugunsten der biblischen Lehre zu leugnen?
Weiter gedacht kann man nur zum Schluss kommen, dass der Schöpfer sowohl existent, als auch inexistent ist, ganz nach Schrödingers Katze. Dadurch, dass das Universum entstanden ist, ist auch belegt, dass es einen Schöpfer gegeben haben muss, denn der Schöpfungsprozess selbst ist so unglaublich perfekt, dass er als Bewusstsein durchgeht. Auch einMensch kann nicht mehr Sinn in sein leben bringen, als den der natürlichen Schöpfung. Gott ist alles, zeitlos, vom ersten bis zum letzten Monet, der wahrscheinlich nie endet.
Denkbar wären dennoch 1.000.000 andere Erkenntnistheorien, wenn plötzlich neue Fakten auftauchen würden, die heute undenkbar sind, z.B. Existenz von außerirdischem Leben. Unsere Phantasie ist der Vater aller Kreationen, sowohl wissenschaftlicher, als auch religiöser Natur. Und wie wir alle wissen, ist diese unerschöpflich, bisweilen morbide und triebhaft. Aus ihr lebt der Mensch durch seine Einbildungskraft und genau dies macht mir Angst, wenn mir pure Phantasie als Wahrheit verkauft werden soll, was eh alltäglich geschieht.
Einbildungskraft ist ja sehr schön, sie kann mir erleichtern, die Realität, die durchaus negative Züge haben kann, zu erleben. Sie kann aber auch im Verdrängung und Trugbild bedeuten.
Bush hat in seinem religiösen Wahn auch in einem Interview gesagt, „Wer arm ist, ist nicht gläubig genug und erhält nur was er verdient.” (nicht wörtlich) Hier liegt die gleiche Denkweise zugrunde. Ein Wunschdenken wird zur wissenschaftlichen Tatsache.
Es ist eigentlich schon zu viel, dass man sich hier darüber unterhält, so blöd kommt mir die Theorie vor, da diese Art von Pseudoerkenntnis genau das ist, was wir auch sonst leben. Wir wissen sehr viel über die sozialen und auch ökologischen Zusammenhänge, aber nutzen die Erkenntnisse nicht und steuern dem sozialen, wie auch ökologischen Kollaps entgegen.
Menschen, die mit der Adam und Eva Theorie argumentieren, haben kein Interesse mehr an der Wahrheit des Menschseins, sondern ergeben sich in einen statischen Schlaf, in dem alles einen festen Platz hat. Es erscheint mir eine elitäre Theorie, die gut dazu geeignet ist, kritisches Denken zu unterdrücken.
Die Welt ist zum Glück anders und sehr dynamisch. Aber am meisten noch beeindruckt mich in der Diskussion der Befürworter des Kreationismus, die in amerikanischen Schulen ja vermittelt werden soll, die christlichorthodoxe Arroganz sich nicht nur gegen Darwins Erkenntnistheorie zu wenden, sondern auch gegen die, aller anderen Kulturkreise.
Mir fehlt es nicht an Phantasie und ich kann mir vorstellen, dass die Mutationstheorie nicht alles sein muss. Ein höheres Wesen ist nicht zu leugnen und sei es nur der Urreflex. Eine Sonne könnte Bewusstsein besitzen, oder vielleicht haben wir Menschen nur verlernt die Mutation gedanklich selbst herbeizuführen? Denkbar und träumbar, wahrscheinlich sogar erlebbar ist alles, da wir unsere Einbildungskraft besitzen. Wenn aber unser Realitätsbewusstsein völlig aushakt, dann kann 'Spongebob Schwammkopf' die Welt erschaffen haben und wir sind die Figuren auf seiner Leinwand.
Wir haben wirklich so viele soziale und zukunftsweisende Probleme zu lösen, die genau dieser Denkweise entsprechend, als unlösbar erklärt werden sollen. Arm und reich ist gewachsene Wahrheit, Ober- und Untermensch ist wahr, und die Natur ist gegen uns.
Diese Art von Volksverblödung hatten wir schon in vielen Jahrhunderten, da sag ich nur:
„Und sie dreht sich doch!”
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