nensch - Ehrlich währt. Übrigens kommt die Wahrsagerei wieder in Mode, was auch gut und erklärlich ist, denn je freier der Mensch wird, desto nötiger wird ihm der Hokuspokus.
[Theodor Fontane: Graf Petöfy]
[ Kultur %% Gesellschaft %% Medien %% Wissenschaft %% Technik %% Politik %% Wirtschaft ]
» Lyrik & Prosa » Rezensionen » CD der Woche » Über Nensch » Tagebücher » Alle Beiträge
Turing und so (Tagebücher)
Tagebuch von Willi Wamser, veröffentlicht am 31.1.2005 um 22:45:24

Turing und so

Hocke über einer Seqúenz zu Turing. Rahmenthema „Freiheit und Determination”. Macht ziemlich Spaß, hier ein Ausschnitt. Noch ohne die Churchlands.

(0) Sprache und Denken computional möglich?

Die Frage, ob Computer denken können, natürliche Sprache verstehen können und andere Anzeichen von menschlicher Intelligenz besitzen (oder in absehbarer Zukunft besitzen werden),  kann eine eigentümliche Spannung in unserem Bewusstsein erzeugen. Hat Intelligenz doch etwas mit unserem spezifischen Selbstverständnis als eine Gattung zu tun, die sich durch ihre hohe Reflexionsfähigkeit vom Rest der Welt unterscheidet, nicht zuletzt von den Säugetieren.
 


Wir können sprachlich über vergangene und zukünftige und gegenwärtige Situationen reflektieren, gleichsam aus der unmittelbaren Situation heraustreten und so in dem stark determinierenden Bereich der Reaktionen und Reflexe eine Nische einbauen, die uns „Freiheit” gewährt. Die Freiheit etwa, eine Situation zu durchdenken,  und die Freiheit, die bestmögliche Reaktion oder Handlungsalternative zu wählen. Und das noch dazu in sprachlicher Abstimmung mit diskutierenden, kooperierenden Partnern.

Fazit: Sprache ergänzt wirkungsvoll das Set schneller Reflexe. Sprache macht damit die Reflexe wertvoller: Wir können sie als Mechanismus dort einsetzen, wo schnelle Reaktionen gefragt sind. Andererseits sind wir  - anders als Tiere - nicht auf den Reflex- Automatismus reduziert. Wir können Reflexe entweder  als  „Autopilot” nutzen oder aber für eine bestimmte Zeit ausser Dienst stellen, um über eine Situation zu reflektieren, und dann erst eine Handlung durchführen. Und wir können das reflektierte bestmögliche Verhalten speichern, als „abrufbare Routine” (Raba analog zu seinen Hinweisen auf das „limbische System”  im „free-will-argument” von Libet): Wir kennen das von Mathematikaufgaben-Training  oder von der Computernutzung.  

Und ausgerechnet  Sprechen und Verstehen  soll nun „computional” möglich sein?

(1)    Der Turing-Test für maschinelle Intelligenz

1950 schlug  Alan Turing (1912-1953), einer der geistigen Vater der Künstlichen Intelligenz,  ein Gedankenexperiment vor, das später als „Turing-Test” der  maschinellen Intelligenz  bekannt wurde und immer noch (vgl etwa Hofstadters „Gödel, Escher,Bach”) diskutiert wird. Am Test sind zwei Menschen und eine Maschine (der zu testende Computer) beteiligt.  In einem Raum befindet sich ein Computer-Terminal und eine Person an einem Terminal. Die dritte Person kommuniziert also entweder mit einem anderen Menschen oder mit einer Maschine. Die dritte Person (C)weiss aber nicht, wen oder was sie jeweils vor sich hat.  Genau das soll sie nämlich herausfinden.

Der Computer besteht - so Turing - den „Verstehenstest”, wenn es ihm gelingt, ununterscheidbar von humanoider Intelligenz aufzutreten, beziehungsweise vom „Judge” als humanoid  eingeschätzt zu werden.

Es gibt eine anhaltende Diskussion um die Rolle des Turing-Tests. Befürworter argumentieren, dass der Test ein wertvoller sei, denn er sei praktikabel.Es gebe sonst kaum eine Möglichkeit, intersubjektiv das Vorliegen eines Bewusstseins zu überprüfen. Gegner sagen, dass dieser Test - wenn er überhaupt interessante Aufschlüsse gebe - , dann darüber,  was Turingleute für ein seltsame Vorstellung von „Verstehen”   hätten. Searle präzisiert das Argument im Gedankenexperiment vom "chinesischen Zimmer". Oder man gucke bei Blutner.

Das alleinige Verketten von Zeichen (Syntax) ohne Kenntnis der verknüpften Worte und Konzepte/Begriffe sei allenfalls eine notwendige Voraussetzung für Verstehen, aber keineswegs hinreichend.

Vielleicht probieren es interessierte Leser mit einem Gedankenexperiment? Hier einige Beispiele für Dialoge und das Problem, wer da spricht.

(2) Weizenbaums Programm „Eliza” in einem engen Dialograhmen-

Der Informatiker J. Weizenbaum teilt den folgenden Schreibdialog zwischen einem Computer (Grossbuchstaben) und einer jungen Dame (Kleinbuchstaben) mit.

  • Der Computer wurde darauf „programmiert”, auf bestimmte Reizwörter mit bestimmten Phrasen zu antworten; man vergleiche dazu Weizenbaums „Eliza-Programm” im Internet. („Eliza” ist das Unterschichtmädchen im Musical „My fair Lady”, dem  Universitätsprofessor Higgins einen „upper-class-Sprachstil” beibringt.)
  • Dem Judge wurde gesagt, dass er es mit einem Menschen oder einem Computer zu tun habe, der ein psychotherapeutisches Gespräch über Familienprobleme führe, das  Patienten zu Selbstdeutungen anregt. Damit ist gemeint, dass Psychotherapeuten oft eine Frage ihres Klienten „zurückspiegeln”, um ihn zu Reflexionen oder Vertiefungen zu animieren.

Anregung: Setzen Sie sich mit dem Dialog auseinander.

  • Erklären Sie kurz das  technische Setting des Turingtestes und die ihm zugrundeliegenden Annahmen über menschliche Intelligenz.
  • Diskutieren Sie, ob der unten angeführte Schreibdialog eines PC im Turing-Test bestehen würde.
  • Skizzieren Sie abschliessend die Problematik des  Turing-Testes: Ist dieser Text, wenn er von einem Probanden als menschengleiche Intelligenzleistung klassifiziert wird, ein Beleg dafür, dass menschliche Intelligenz den Computer auszeichnet?

Die Männer sind alle gleich.
IN WELCHER HINSICHT
Sie nerven uns immer mit irgend etwas.
FÄLLT IHNEN EIN  BESTIMMTES BEISPIEL EIN
Nun ja, mein Freund hat mich hierher geschickt.
IHR FREUND HAT SIE HIERHER GESCHICKT
Er meint, ich sei oft deprimiert.
ES TUT MIR LEID ZU HÖREN, DASS SIE DEPRIMIERT SIND
Es stimmt. Ich bin unglücklich.
GLAUBEN SIE, HIERHERZUKOMMEN WIRD IHNEN HELFEN NICHT UNGLÜCKLICH ZU SEIN?
Ich brauche Hilfe, so viel scheint sicher.
WAS WÜRDE ES FÜR SIE BEDEUTEN, HILFE ZU BEKOMMEN
Vielleicht könnte ich lernen, mich mit meiner Mutter zu vertragen.
ERZÄHLEN SIE MIR MEHR ÜBER IHRE FAMILIE
Meine Mutter sorgt für mich.
WER IN IHRER FAMILIE SORGT SONST NOCH FÜR SIE Mein Vater.
IHR VATER
Sie sind in gewisser Weise wie mein Vater.
WELCHE ÄHNLICHKEITEN BEMERKEN SIE
Sie sind nicht sehr aggressiv, aber ich glaube, sie wollen nicht, dass ich das bemerke.
WARUM GLAUBEN SIE, ICH SEI NICHT AGGRESSIV
Sie streiten nicht mit mir.
GEFÄLLT IHNEN DIE VORSTELLUNG, DASS ICH MICH VOR IHNEN FÜRCHTE
Mein Vater fürchtet sich vor allen.
WAS FÄLLT IHNEN NOCH EIN, WENN SIE AN IHREN VATER DENKEN
Tyrann
HAT DAS IRGEND ETWAS MIT DER TATSACHE ZU TUN,
DASS IHR FREUND SIE HIERHER GESCHICKT HAT?

(3)    Ein freieres  Gespräch - ein schwieriger Fall

  • Der folgende Schreibdialog zwischen einer jungen Dame (Kleinbuchstaben) und einem unbekannten Dialogpartner (Großbuchstaben: Computer oder Mensch) wird uns von John L. Cassiopeius (Operations Research und Systemtheorie, TU Vindimala; 2005) mitgeteilt.

  • Ein Terminal ist entweder mit einem ähnlichen Terminal verbunden, vor dem ein mehr oder weniger normales Wesen unbestimmten Geschlechtes sitzt. Oder mit einem Computer, der analog zu Weizenbaums „Eliza” dahingehend programmiert wurde, jede beliebige Frage zu beantworten, vorausgesetzt, sie ist in gewöhnlichem Deutsch formuliert.

  • Der Judge (die junge Dame) kennt den therapeutischen Gesprächsansatz  früherer Weizenbaumprogramme und weiß, dass diese eng begrenzten Patterns nicht mehr gelten.

Anregung: Setzen Sie sich mit dem Dialog auseinander.

- Diskutieren Sie ausführlich , ob der Dialogpartner der Dame ein Computer oder ein Mensch ist. Lässt sich die Frage mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit beantworten? Bedenken sie dabei folgende Elemente

a)    Die junge Dame  ist intelligent und ein sehr kompetenter Sprecher der deutschen Sprache.Ihr  Dialogpartner ist entweder ein Computer oder ein intelligenter Mensch.

b) Sie hat als Vorwisssen, dass der eventuelle Computerpartner eine relativ hohe Sprachkompetenz über dem Niveau von Eliza hat.

c)    Ein Mensch kann  im Gespräch seine „Voll-Leistung” bringen. Wir setzen einmal voraus, er tut das (c1). Ein Mensch kann aber auch eine reduzierte Leistung bringen, nehmen wir an er tut das nicht (c2). Es gibt noch eine dritte Möglichkeit. Der Mensch kann versuchen, so zu tun, als sei er ein Computer und „trickst”. Sicher keine geringe Leistung , wenn ihm das überzeugend glückt. Und wir schließen nicht aus, dass der folgende Dialog auch so „tricky” geführt sein könnte (c3).

d)    Ein Computer kann wohl kaum „Fehler”  oder Defizite einbauen, um vorzutäuschen, er sei ein Computer. Und er dürfte wohl auch von seinem Programmierer so bestückt sein, dass er die Voll-Leistung bringt. (d1) Es sei denn, es sei ein nahezu menschlicher Computer mit Gefühlen, Intentionen und Verstellungsmöglichkeiten und Freude am Tricksen (d2).

- Skizzieren Sie abschließend die Problematik des  Turing-Testes: Nehmen wir an,   dieser Antwort-Text stammt von einem Computer und  er wird von einem Probanden/Judge als (ununterscheidbare) Intelligenzleistung humanoider Art klassifiziert. Lässt sich zwischen (c3) und (d) mit hoher Wahrscheinlichkeit unterscheiden? Ist der Dialog ein Beleg dafür, dass menschliche Intelligenz den Computer auszeichnet?

Nun, worüber sollen wir uns unterhalten?   
ICH KANN ÜBER ALLES REDEN. WAS MÖCHTEN SIE MICH GERNE FRAGEN?

Fangen wir mit etwas Leichtem an, vielleicht mit ein bisschen Mathematik. Wenn ich ein rechtwinkliges Dreieck mit zwei Seitenlängen 3 und 4 habe, wie lang ist dann die dritte Seite?
AH, DER GUTE ALTE PYTHAGOREISCHE LEHRSATZ. DIE HYPOTHENUSE HAT DANN SELBSTVERSTÄNDLICH DIE LÄNGE 5.
Nicht schlecht. Zumindest kennst du noch deine Schulgeometrie. Wie wäre es mit ein bisschen einfacher Arithmetik? Wie heißt die Quadratwurzel aus 147?
NACH MEINER SCHÄTZUNG ETWAS MEHR ALS 12.

Ziemlich ungenau für einen Computer, aber ganz passabel für einen Menschen. Probieren wir es mit etwas Zeitgeschichte. Was hältst du von den Friedensaussichten im Nahen Osten?
ICH REDE NIE OBER POLITIK ODER RELIGION. ABER WENN ICH ES TÄTE WURDE ICH SAGEN, DASS DIE AUSSICHTEN TRÜBE SIND, VOR ALLEM WEIL SICH DIE AMERIKANER UND JETZT AUCH DIE RUSSEN STÄNDIG EINMISCHEN.

Nun gut, lassen wir die Politik. Wie schätzt du die Chancen der Bayern für die Meisterschaft in diesem Jahr ein?
WER SIND DIE BAYERN?
Wie ich sehe, bist du auch kein Sportsfan. Du hast mir doch gesagt, wir könnten uns über alles unterhalten.
ICH KANN WIE JEDER NORMALE MENSCH KONVERSATION TREIBEN, ABER ICH BIN KEINE ENZYKLOPEDIE.
Und auch nicht besonders gut in Rechtschreibung, wie ich sehe, man schreibt  korrekterweise „Enzyklopädie”.

Aber  kein Grund zur Aufregung. Ich versuche bloß eine gemeinsame Grundlage für unser Gespräch zu finden. Was hältst du von der Volkswirtschaft? Meinst du, es wäre gut, jetzt in Aktien zu investieren?
DER AKTIENMARKT IST DAS GRÖSSTE SPIELKASINO DER WELT, ABER ICH HABE
DEN EINDRUCK, ES WÄRE JETZT DIE RICHTIGE ZEIT, AUS DEM MARKT AUSZUSTEIGEN.
Wieso hast du diesen Eindruck?
ZU VIELE SPEKULANTEN UND ZU VIELE HEIKLE COMPUTERGESCHÄFTE, DIE DICH 1M HANDUMDREHEN UM DEINE ERSPARNISSE BRINGEN KÖNNEN. WENN DU KEINE ECHTE SPIELERNATUR BIST, WÜRDE ICH MICH DA HERAUSHALTEN.

Nun, du hast offensichtlich sehr entschiedene Ansichten über finanzielle Dinge. Was verstehst du von Kunst? Willst du nicht ein kleines Gedicht für mich verfassen?
DAMIT KANN ICH NICHT DIENEN. ICH HABE NIE SCHREIBEN KÖNNEN.

Nun, ich muss dich jetzt verlassen. Darf ich dir noch eine letzte Frage stellen? Bist du ein Computer oder ein Mensch?
ICH BIN EIN INTELLIGENTES, DENKENDES WESEN. AUF WIEDERSEHEN, UND VIELEN DANK, DASS DU HERGEKOMMEN BIST, UM DICH MIT MIR ZU UNTERHALTEN!

(4) Syntax und Semantik verstehen, ein Härtetest in Beispielen

Ganz klar, dem Schreiber dieser Seiten ist der  jetzige Stand der KI-Forschung nicht vertraut. Immerhin, KI-Experten wie der Augsburger Professor Mainzer  behaupten, dass, zumindest prinzipiell, Programme schreibbar seien, welche es Computern ermöglichen, sprachliche Äusserungen  in Syntax und Semantik verstehen und entsprechende Fragen zu beantworten. Man kann die skeptische These vertreten, dass im Moment keine Programme existieren, die dazu imstande sind. Und ob das in Zukunft machbar ist, sei sehr die Frage - angesichts der Komplexität des Sprachverstehens.

Betrachten wir ein Beispiel dafür, wie Zeichen aneinandergereiht werden: Syntax also. Dabei geht es nicht nur um die Kettenaddition von Zeichen. Sondern auch etwa um formale Regeln: Kongruenz zwischen Prädikat und Subjekt. Dann um das Ineinanderspielen von formalen und semantischen Aspekten.

Vier Punkte  sind wichtig: (a) das  prinzipiell unermessliche Weltwissen, das beim Verstehen von Sätzen und Lexemen  nötig ist;  (b) die speziellen Sprachregeln, die wir in Einzelfällen intuitiv anwenden; (c) die menschliche Fähigkeit, mehrdeutige Texte „hinreichend zu disambiguieren”; (d) der Spezialfall von Metaphern und ihrem Verstehen.  

Die Rolle der Syntax und rudimentärer Semantik:

  • Versuchen Sie das folgende Gedicht, soweit es geht,  zu „verstehen”.

  • Reflektieren wir den Verstehensvorgang: Welche Anhaltspunkte verhelfen zu einer gewissen Dechiffrierleistung?
Grundsituation erkennbar ?  
Makrostruktur erkennbar?
Mikrostruktur: Semantische Anhaltspunkte?  Syntaktische Anhaltspunkte (Kongruenz von Subjekt und  Prädikat. Satzarten wie Aussagesatz, Fragesatz, Aufforderungssatz ......)

Der Zipferlak

Verdaustig wars und glasse Wieben
Rotterten gorkicht im Gemank;  
Gar elump war der Pluckerwank,
Und die glabben Schweisel frieben.

„Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr!
Vorm Fliegelflagel sieh dich vor,  
dem mampfen Schnatterrind!”

Er zückt sein scharfgebifftes Schwert,
den Feind zu futzen ohne Saum,  
Und lehnt sich an den Dudelbaum
Und stand da lang in sich gekeimt,

In sich gekeimt; so stand er hier:
Da kam verschnoff der Zipferlak
Mit Flammenlefze angewackt
Und gurckt in seiner Gier.

Mit eins! und zwei! und bis auf´s Bein!
Die biffe Klinge ritscheropf!
Trennt er vom Hals den toten Kopf,
Und wichernd sprengt er heim.  

„Vom Zipferlak hast uns befreit?
Komm an mein Herz aromer Sohn!
O blumer Tag! O schlusse Fron!”
So kröpfte er vor Freud.

Verdaustig wars und glasse Wieben
Rotterten gorkicht im Gemank;
Gar elump war der Pluckerwank,
Und die glabben Schweisel frieben

  • Stellen Sie (Sie können kein Chinesisch) sich nun vor, das Gedicht sei in chinesischen Schriftzeichen geschrieben,  entsprechende Dechiffrierfragen würden Ihnen mittels chinesischer Schriftzeichen übermittelt und Sie haben nun bestimmte sehr systematische chinesische Bücher mit Analysemöglichkeiten des Zipferlakgedichtes vor sich. Sie erstellen also mit deren Hilfe gewisse Antworten und geben Sie beim Out-Put-Schlitz hinaus.

  • Dort sitzen schlitzäugige Chinesen, die offensichtlich tief befriedigt über die Qualität der Antworten sind. Man hört ihr angeregtes Sprechen: Spitze Töne der Begeisterung oder des Erstaunens dringen an Ihr Ohr.  

  • Und siehe da: Ein Chinese mit guten Deutschkenntnissen besucht Sie in ihrem Raum und beglückwünscht Sie auf Deutsch zu ihren Verstehens- und Interpretationsleistungen.

Was antworten Sie ihm?
Anmeldung
Neu anmelden
Name:
Passwort:
Hinweis: Sie müssen ein cookie akzeptieren, um sich anzumelden!

Nützliche Links
· "chinesischen Zimmer"
· Blutner.
· Tagebuch von Willi Wamser

Turing und so | 34 Kommentare (34 inhaltlich, 0 redaktionell, 0 versteckt)
Schon geantwortet: (keine/1) (#1)
von Jan Koernicke
verfasst am 1.2.2005 um 11:34:57

…auf 27 Seiten: Turing Test - Kritik und Argumente oder via kornecke.de -> works.

Habe Deinen Beitrag jetzt noch nicht aufmerksam genug gelesen (und es ist ein Fehler, dann jetzt schon zu kommentieren…) aber vorerst nur kurz:

Grundfrage: Sind Sprache und Denken computional möglich?

These: „Das alleinige Verketten von Zeichen (Syntax) ohne Kenntnis der verknüpften Worte und Konzepte/Begriffe sei allenfalls eine notwendige Voraussetzung für Verstehen, aber keineswegs hinreichend.” - Oder anders: Diese kognitive Semantik kann nicht auf Syntax reduzierbar sein. Verstehen lässt sich nicht in Regeln fassen.

Gegenthese: Was ist es dann? Wenn Verstehen mehr als Regelbefolgen enthält, was soll dieses „mehr” sein? Und wo soll es herkommen?

Um Programmiersprachen zu nutzen muss man Compiler entwickeln, die die Grammatik dieser Sprache verstehen(?) - die Compiler analysieren nach syntaktischen Regeln einen Quelltext und „übersetzen” ihn.
Menschliche Sprache ist um Dimensionen komplexer als alle Programmiersprachen. Aber wieso sollte es nicht theoretisch möglich sein, einen Compiler für natürliche Sprachen zu entwickeln? Wenn nensch eines zeigt, dann doch, dass es in der Sprache Regeln gibt, an die man sich zu halten hat…

Es gibt Programme, die Zeitungsartikel „lesen” und hinterher - deutlich verkürzt - inhaltlich „zusammenfassen” können. Text-Mining betreibt genau diesen Sport, z.B. herausbekommen, zu welcher 'Rubrik' ein Text gehört, was die  wesentlichen Fakten einer Meldung sind, etc.

Natürlich ist das Einsatzgebiet dieser Software bis heute sehr schmal, d.h. man kann ihnen keinen beliebigen Text vorlegen, sondern immer in einem 'Fachbereich' bleiben. Doch ist nicht klar, warum das eine qualitative Einschränkung sein soll…

However, habe jetzt nicht die Zeit. Bin aber dankbar für alle Argumente. Der Beitrag beschäftigt sich bedankenswerter Weise mit dem, was einen guten Teil meiner Magisterarbeit ausmachen wird.



Zerpflückung (keine/1) (#2)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 1.2.2005 um 12:53:43

Ich weiß, dass Du alles weißt, was ich jetzt schreibe, aber so stehen lassen mag ich es doch nicht:

Um Programmiersprachen zu nutzen muss man Compiler entwickeln, die die Grammatik dieser Sprache verstehen(?) - die Compiler analysieren nach syntaktischen Regeln einen Quelltext und „übersetzen” ihn.

Stimmt schon, aber beim Übersetzen betreiben sie mehr als Syntax. Einverstanden?

Wenn nensch eines zeigt, dann doch, dass es in der Sprache Regeln gibt, an die man sich zu halten hat…

Dass es die gibt, heißt ja nicht, dass es nur explizierbare Regeln gibt. Und auch nicht, dass alle Regeln syntaktisch sind. Die Schattenforumdiskussion ist beispielsweise entschieden unsyntaktisch.

Natürlich ist das Einsatzgebiet dieser Software bis heute sehr schmal, d.h. man kann ihnen keinen beliebigen Text vorlegen, sondern immer in einem 'Fachbereich' bleiben. Doch ist nicht klar, warum das eine qualitative Einschränkung sein soll…

Man muss nicht nur in einem Fachgebiet bleiben, sondern auch bei einer „Textsorte”. Und das kann sehr wohl eine qualitative Einschränkung sein. Nämlich genau dann, wenn diese Beschränkung nicht aus irgendwelchen Speicher/Vokabular/Performance-Limitationen herrührt, sondern aus der prinzipiellen Unmöglichkeit zu erkennen, was das für ein Text ist. Dieses „Erkennen, worüber der Text geht und was er will” würde ich als Textverstehen bezeichnen. Und solange das nicht funktioniert, gibt es ein prinzipielles Problem, richtig?

[ Bezug ]



Ja und nein (keine/1) (#3)
von Jan Koernicke
verfasst am 1.2.2005 um 13:21:03

Stimmt schon, aber beim Übersetzen betreiben sie mehr als Syntax. Einverstanden?

Da stellt sich die Frage, was man unter Syntax und Semantik verstehen will. Es gibt wohl eine Reihe Leute, die würden sehr entschieden sagen, dass alles was Maschinen tun, immer nur syntaktisches Regelbefolgen sein kann. Insofern ist die Frage, wie Maschinen „mehr als Syntax” betreiben können…

Das mit der Syntax und nensch war eher ein Scherz als ein Argument. Aber es stimmt natürlich, es ist ungeschickt, aus einer Existenzaussage eine Allaussage zu machen.

Dieses „Erkennen, worüber der Text geht und was er will” würde ich als Textverstehen bezeichnen. Und solange das nicht funktioniert, gibt es ein prinzipielles Problem, richtig?

Ich bin mir nicht sicher, aber soweit ich weiß, ist bereits beides möglich:

  • „Worüber der Text geht”: Was Suchmaschinen machen, die Webseiten in Verzeichnisse einordnen
  • „Was der Text will”: Zeitungsartikel kurzfassen/ Inhaltsangabe verfassen.

Mein Punkt ist weniger, was Maschinen tun, sondern was Maschinen theoretisch (meinetwegen mit unendlich viel Zeit, Energie und Speicherplatz) könnten, bzw. warum sie was nicht können sollten. Welche Besonderheiten von menschlicher Sprache sprechen dagegen, dass ihr Verständnis syntaktisch implementiert werden könnte? Stärker noch: Ist es nicht so, dass auch menschliches „Verstehen” im Hirn syntaktisch - also regelbasiert - funktioniert? Was würde es bedeuten, wenn dem nicht so wäre?

Der ein oder andere hat es vielleicht schon bemerkt: Ich meine, dass es keine guten Argumente gibt, die zeigen, dass es prinzipiell nicht möglich ist. Natürlich ist es (noch; vielleicht nie) nicht möglich zu zeigen, wie all diese Vorgänge synatktisch umgesetzt werden können. Aber es scheint einiges dafür und nur wenig dagegen zu sprechen…

[ Bezug ]



Salute Jan, salute, Dirk, (keine/1) (#4)
von Willi Wamser
verfasst am 1.2.2005 um 13:42:42

habe die Seminararbeit gelesen. Gibt es ne Menge Diskussionswürdiges.

Hier aber geht es in dem Tagebucheintrag eher um ein Diskussionspaper, das Studenten als Einstieg erhalten.

Spannend ist und bleibt natürlich … natürlich die Frage nach Semantik und nach Syntax und Metaphern und so weiter, als computional erfassbare Disziplinen. Denn davon hängt auch das Bestehen des Turingtestes ab. Da hatte ich schon bei der Transformationsgrammatik heftige Schwierigkeiten.

Habe mal in Nensch so einen sprachlichen Test reingehängt, geht um Flirten und bestimmte Frames. Nach der Megadiskussion mit Joscha. Hier also Flirting.

Ich schicke  das Diskussionspaper als Anhang.

[ Bezug ]



mail-adresse (keine/0) (#5)
von Willi Wamser
verfasst am 1.2.2005 um 13:55:23

Salute Jan,

bräuchte Deine nensch-externe mail-Adresse.

Meine - e klar- : wwamser@gmx.de

[ Bezug ]



Ich bin dafür... (keine/0) (#8)
von Soenke Greimann
verfasst am 1.2.2005 um 16:36:59

…daß Nenschen nailen…

[ Bezug ]


Spiegelfechtereien (keine/1) (#6)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 1.2.2005 um 13:59:06

Gardez!

Da stellt sich die Frage, was man unter Syntax und Semantik verstehen will. Es gibt wohl eine Reihe Leute, die würden sehr entschieden sagen, dass alles was Maschinen tun, immer nur syntaktisches Regelbefolgen sein kann. Insofern ist die Frage, wie Maschinen „mehr als Syntax” betreiben können…

Das wäre dann eine petitio principi. "Alles was Maschinen tun ist Regeln befolgen. Ergo gibt es nichts, was sie tun, was nicht „Regel befolgen” ist."

Tut aber nix zur Sache, denn das Argument ist ja an anderer Stelle löchrig, nämlich bei der stillschweigenden Übereinkunft "Regel"="Syntaktische Regel".

Aber auch das ist eigentlich unerheblich: Denn dass ein Programm, welches

  • aufgrund einer Komponentialanalyse (und Selektionsbeschränkungen) erkennt, dass „time flies like an arrow” nicht „time flies” als Subjekt hat
  • aufgrund einer Diskursanalyse erkennt, dass „Das Fenster steht auf” einen illokutionären Akt („Aufforderung, das Fenster zu schließen”) enthält

dass ein solches Programm also Semantik und Pragmatik in Ausschnitten beherrscht, das bestreitet doch eigentlich niemand, oder?

"Was der Text will": Zeitungsartikel kurzfassen/ Inhaltsangabe verfassen.

Hier ging es mir eher um eine Analyse auf der Intentions-/Textsortenebene: Ist der Text ein Lehrtext, Nachricht, Gebrauchsanweisung, Belletristik…?
Dazu muss man ihn in Gänze verstehen und nicht nur ein paar keywords mit „syntactic sugar” konkatenieren.

Welche Besonderheiten von menschlicher Sprache sprechen dagegen, dass ihr Verständnis syntaktisch implementiert werden könnte?

Vorläufige Antwort: Der Umstand, dass es zum Verständnis von menschlicher Sprache einer (computational zugänglichen) Repräsentation der sprachlich ausgedrückten Inhalte bedarf. Für NLU (=natural language understanding) gilt der „invertierte Wittgenstein”: Die Grenzen meiner Welt sind die Grenzen meines Sprachverständnisses.

[ Bezug ]



Bescheidene Thesen (keine/1) (#7)
von Willi Wamser
verfasst am 1.2.2005 um 14:49:20

Ich habe den Eindruck, dass bei Jan in der Arbeit einbestimmtes Argumentationsvariante im Hintergrund steht: Prinzipiell ist jedes Regelsystem beschreibbar. Da sprachliches Verstehen mit semanto-sntaktischen Regeln zu tun hat, sind  diese dann - so der Schluss qua „Regelcharakter” - beschreibbar.

Nun: Dagegen lässt sich  anführen:

a) VOLLMUNDIG,

Verstehen IST nicht mit „to calculate” zu identifizieren.  Affekte, soziale Interaktionen, Lebensgeschichtliches, Weltwissen, das in Sozialisationsprozessen gewonnen wird, ist eben nicht algorythmisierbar.  

Ein Computer entwickelt sich nicht aus einer befruchteten Eizelle. Er wächst nicht, er wird nicht in einer Frau ausgetragen und von ihr zur Welt gebracht. Er kann selbst auch keine Kinder haben. Er wird nicht alt, sein Körper er-reicht keine Blüte und verfällt nicht. Diese körperliche Existenzerfahrung spielt sich  nicht getrennt vom Gehirn ab. Ein Computer kann kaum eine dem Menschen vergleichbare Lebensgeschichte haben. Diese Einheit von Körper und Geist, Sein und Entwicklung - Emergenz und Supervenienz hin oder her - kann man nicht regelbeschreibend nachbilden.  Wer das glaubt, setzt Realität und Modell tollkühn gleich. Man möge nur einmal die Verstehensleistungen betachten, die bei einem Flirtmuster wie ind der Deutschen Bahn-Anzeige laufen.

(b) Bescheidene These:

Als  Gegen-Strategie zu (a) glaube ich in  Jans Kurztext zu erkennen, dass der beobachtbare Supervenienzbereich  auf jeden Fall zu algorythmisieren sei (oder aber vielleicht sehr vielleicht nie).Was könne nicht alles in einigen Jahren  alles entdeckt und dann wohl auch simuliert werden.

Hier ist  - so meine ich - sehr schwer Widerspruch einzulegen. Ich beschränke mich daher auf die recht  wacklige These, man könne auf  der unteren Ebene sehr genau und klar Gesetze zu formulieren. Aus denen sich dann auf den höheren Ebenen unter gewissen Umständen äußerst komplexe Regeln ergeben, die selbst ihre einfachste Beschreibung sind: Auch wenn man sie einfacher beschreiben möchte - es geht in vielen Fällen nicht. Und jede Beschreibung erweist sich als komplizierter als die direkte Simulation anhand der einfachen Gesetzmäßigkeiten auf der unteren Ebene.

Das deutet darauf, dass die „Natur” in Systemen, die eine inhärente Komplexität haben, Grenzen zieht, die eine Vereinfachung nicht zulassen. Neurobiologische Beobachtungen zu Sprach-Verstehen oder zu Bildwahrnehmung könnten allenfalls  die neurobiologischen Indikatoren erfassen, aber nicht die komplexe Realität selbst.

(c) Ausblicks-These

Vielleicht ist es möglich, eines Tages Systeme (jedoch keine Computer im herkömmlichen Sinne) zu konstruieren, die denken können.

Das dürfte aber kaum im Umfeld von  hardwareunabhängigen, rein syntaktisch arbeitende  Algorithmen geschehen, da diese nur strukturierte Symbole manipulieren würden.

Im menschlichen Gehirn findet sich nämlich zusätzlich eine unbedingt notwendige  semantische Ebene, die möglicherweise durch die Selbstorganisation von neuronalen Aktivitätsmustern und deren Bezogenheit auf Sinneswahrnehmungen und Motorik (und damit die Aussenwelt) gegeben ist

[ Bezug ]



Sportlich argumentieren (keine/0) (#13)
von Jan Koernicke
verfasst am 2.2.2005 um 15:18:06

Verstehen IST nicht mit „to calculate” zu identifizieren.  Affekte, soziale Interaktionen, Lebensgeschichtliches, Weltwissen, das in Sozialisationsprozessen gewonnen wird, ist eben nicht algorythmisierbar.  

So, jetzt (nur noch?) als argumentative Fingerübung:

Wenn obiges alles nicht in Algorithmen fassbar ist, wie gewinnen Menschen dann die Fähigkeiten dazu?
Beispiel Sprache: Wie lernt ein neuer Mensch Sprache? Möglichkeiten:

 - Sprache funktioniert immer und überall nach bestimmten Regeln. Diese Regeln lernt man (zum größten Teil unbewusst).
 - Sprache funktioniert nicht nur nach Regeln. Da gehört mehr dazu. Um diese Fähigkeiten auszuüben, verfügen Menschen über ein „Sprachmodul”, welches sich evolutionär ausgebildet hat. Andere Lebewesen verfügen nicht über Sprache, sie können prinzipiell nicht über Sprache verfügen. Gleiches gilt für Computer, solange man Ihnen nicht ein „Sprachmodul” einbaut.
 - Sprache & Denken sind Fähigkeiten, die Menschen durch einen „göttlichen Funken” eingegeben werden. Sie sind göttlichen Ursprungs (und daher immer nur menschlich).

Alle drei Theorien (und mehr) sind oder waren auf dem Markt. Wenn ich wetten müsste, dann auf die erste.

Analog können - starke These - alle anderen menschlichen Fähigkeiten formalisiert werden/ müssen formalisierbar sein. Natürlich machen Maschinen keinen menschlichen Reifungsprozess durch. Womöglich werden Maschinen in Zukunft persönliche, existentielle Reifungsprozesse erleben. Aber diese werden immer verschieden von denen der Menschen sein, daher wird eine Maschine nie ganz so sein können, wie ein Mensch.

Gekauft. Aber das gilt auch für zwei verschieden Menschen. Verschieden Reifungsprozesse führen zu verschiedenen Einstellungen, zu verschiedenen Denkweisen. Ich glaube, das Argument schlägt in die falsche Richtung. (Trotzdem danke dafür. Wird aufgenommen.)

Grundfrage, meine: Welche spezifische, menschliche Fähigkeit wird eine Maschine nie ausüben können? Oder - unter der Annahme, dass Maschinen alle formalisierbaren Fähigkeiten erlernen können - welche menschlichen Fähigkeiten sind nicht formalisierbar?

[ Bezug ]



Mir (keine/0) (#14)
von Willi Wamser
verfasst am 2.2.2005 um 18:13:53

scheint,

(a)

man sollte noch mal These b und c von Kommentar 7 bedenken/diskutieren

Dann weiter unten die Hinweise zur Praktikabilität des Turingtests (Kommentar 11)andenken.

Dann im Langaufsatz (Tagebucheintrag) den Sprachentest (punkt 3).
Dann vielleicht den "Flirting-Test" ab Punkt 2 kursorisch.

(b)

Vielleicht bleiben dann - scheint mir - ein paar Petitessen übrig:

  • Selbst wenn alles sprachliche Geschehen nach Regeln abläuft, dürfte es sehr schwierig sein, solche hochkomplexen Regeln, wie man sie beim flirting-Test anwendet, zu formalisieren. Man denke etwa an die Desambiguierung bei Metaphern. Oder die konnotative Aura bei Lexem-Reihen wie „Urlaub von Anfang an. D.B.” Oder bei Slogans wie „Wir bringen die Titelseite von morgen schon heute. N.B.C.” Oder andere anthropoferne Regeln und deren Formalisierung zu finden, solche der Marsianer z.B. Ob das doch möglich ist, muss die Zukunft erweisen. Und möge HAL sich einmal melden, wenn er wieder aus der regressiven Infantilphase erwacht ist, in die ihn David Bowman „Daisy, Daisy, give me a answer” (Deutsche Film-Fassung „Hänschen klein..”) zurückmontiert hat.

  • Selbstverständlich ist bei semantischen Konzepten und deren Verständnis die lebensweltliche Erfahrung eine vermutlich hinreichende Bedingung(aber nicht eine notwendige Bedingung, wenn denn lebensweltliche Erfahrungskonzepte formalisierbar sind - wer weiß, wer weiß, ob sie das sind). Dass es diesen engen Zusammenhang gibt, mag der Zipferlak-Test und der Flirting-Test nahelegen und wahrscheinlich machen. Das Erdbeereisargument, das Schachspielargument, das Seemövenargument, all das  kann hier nur bis zu einem gewissen Grad greifen.

  • Psycho-Physische Korrelationsbehauptungen sind sehr verschieden deutbar, etwa in folgenden Theorien: Identitätstheorie, eliminativer Naturalismus, Psycho-Physischer Parallelismus, Emergenztheorie, Supervenienztheorie, Interaktionistischer Dualismus, Sprachdualismus (z.b. Bieri). Die Grundannahmen dieser Theorien, sind kaum zu widerlegen, höchstens im sinne des Occam-Messers auf Wahrscheinlichkeitsgrade zu testen.

  • Aber na ja ein weites Feld.


[ Bezug ]


Anders herum (keine/0) (#15)
von Ralf Poschmann
verfasst am 2.2.2005 um 20:01:46

Ich bin ein Anhänger der Emergenzhypothese: Wenn Maschinelles Denken die Komplexität menschlichen Denkens erreicht hat, dann werden Ergebnisse beobachtet werden, die, genauso wie manche menschlichen Resultate, nicht mehr formalisierbar sind. Dein Standpunkt ist sehr reduktionistisch.

Was ist nicht formalisierbar? menschliche Liebe, menschliche Trauer, menschlicher Hass. Dafür muss man ein Mensch sein, Bewusstsein haben und in der menschlichen Gesellschaft leben. Das kann eine Maschine äußerlich emulieren aber nicht innerlich erleben.

 

[ Bezug ]



Bewusstsein und eine ethische Frage (keine/0) (#16)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 2.2.2005 um 20:26:37

Die Frage, ob Computer denken können, natürliche Sprache verstehen können und andere Anzeichen von menschlicher Intelligenz besitzen (oder in absehbarer Zukunft besitzen werden),  kann eine eigentümliche Spannung in unserem Bewusstsein erzeugen

Ich glaube, dass genau darin die Frage liegt. Das Wesen des Menschen liegt nicht nur im Denken, Sprachen und seiner Intelligenz, sondern wohl vor allem darin, dass er Bewusstsein hat.
Darauf basieren dann meine Fragen zu dem Thema:
1. Ist postbiotisches Bewusstsein möglich?

Für die Schaffung von postbiotischem Bewusstsein:
2. Welche könnten die Merkmale des zunächstmenschlichen Bewusstseins sein?

Und hernach:
3. Für den Fall, dass wir Maschinen mit Bewusstsein ausstatten könnten, sollten wir das tun?

[ Bezug ]



Frage vergessen! (keine/0) (#30)
von Ralf Poschmann
verfasst am 3.2.2005 um 12:25:03

Du hast die Frage „Was ist Bewusstsein?” vergessen, denn nach deren Beantwortung machen die folgenden Fragen mehr Sinn. Bis jetzt sieht es ja ganz so aus, als ob man mit „Bewusstsein” nur die Innenansicht beschreiben kann. Das heißt, in mir läuft ein Film ab, ich erlebe etwas. Schon die Antwort auf die Frage, ob das in anderen Menschen auch so aussieht, kann ich nicht mehr zweifelsfrei behaupten. Es bleibt eine Annahme aus Symmetriegründen, weil ich mich als Person, die sicher weiß, dass sie ein Bewusstsein hat, nicht wesentlich von anderen Personen meiner Spezies unterscheide. Beweisen kann ich das aber nicht.

Die Naturwissenschaft arbeitet sich an der Außenansicht ab, d.h. erforscht den Aufbau des Gehirns, Gehirnströme etc. Die dahinter stehende Annahme ist, dass man irgendwann bestimmte wiederkehrende Muster findet, die mit Bewusstseinsprozessen korrelieren. Das muss aber nicht zwingend so sein. Rein materialistisch könnte man hier wieder einen emergenten Prozess annehmen, der erst zustande kommt, wenn eine so hohe Komplexität des Systems vorliegt, das man es nicht mehr im Ganzen analysieren kann. Oder aber die Seele wurde uns von außen eingehaucht, wer weiß.

In Bezug auf das postbiotische Bewusstsein könnte das wiederum heißen, dass wir Systeme schaffen könnten, die über ein Bewusstsein wie auch immer verfügen, weil diese Systeme eine hinreichende Komplexität haben, und wir bei ihnen genausowenig wie bei uns selbst erklären können, wie deren Bewusstsein zustande gekommen ist und wie es funktioniert*.

Und es könnte auch sein, dass Systeme entstehen oder bereits entstanden sind, die über ein Bewusstsein verfügen, das uns aber so fremd ist, dass wir es nicht bemerken oder bemerkt haben.

Die letzte Frage „Sollten wir das tun?” steht für mich nicht. Wenn es einmal geht, dann wird es auch gemacht werden. Wir haben gar keine Wahl. Und für die fernere Zukunft kann man heute sowieso nichts ausschließen.

* Bereits die Erzeugung von Kindern ist ein (allerdings „biotisches”) Beispiel. Kinder werden gemacht und erlangen Bewusstsein, ohne dass ihre Eltern wissen müssen, was Bewusstsein ist und wie es funktioniert.

[ Bezug ]



Nicht wirklich, denn: (keine/1) (#32)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 3.2.2005 um 12:50:31

Du hast die Frage „Was ist Bewusstsein?” vergessen

Ich gehe genau davon aus, wenn ich schreibe:

Für die Schaffung von postbiotischem Bewusstsein:
2. Welche könnten die Merkmale des zunächst menschlichen Bewusstseins sein?

Dass es auch Bewusstsein bei anderen Lebensformen geben mag, könnte vielleicht einfach außen vor gelassen werden. Wobei auch Du Dich ja auf menschliches Bewusstsein beziehst…

[ Bezug ]



Hm, reduktionistisch? (keine/1) (#17)
von Willi Wamser
verfasst am 2.2.2005 um 20:31:45

Vielleicht ist es möglich, eines Tages Systeme (jedoch keine Computer im herkömmlichen Sinne) zu konstruieren, die denken können.

Das dürfte aber kaum im Umfeld von  hardwareunabhängigen, rein syntaktisch arbeitende  Algorithmen geschehen, da diese nur strukturierte Symbole manipulieren würden.

Im menschlichen Gehirn findet sich nämlich zusätzlich eine unbedingt notwendige  semantische Ebene, die möglicherweise durch die Selbstorganisation von neuronalen Aktivitätsmustern und deren Bezogenheit auf Sinneswahrnehmungen und Motorik (und damit die Aussenwelt) gegeben ist.

[ Bezug ]



Semiotik der Posthumanität (keine/1) (#18)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 2.2.2005 um 20:44:32

Ich würde dabei die pragmatische Ebene noch hinzufügen. Dies entspräche im Zusammenspiel vielleicht dem o.g. Bewusstsein. Reine Bedeutungen von Kontexten u.s.f. machen wohl ohne den „Benutzer” nicht viel her. Und dann frage ich noch einmal, ein wenig anders: Sollten wir also hoffen, dass uns die semantischen und pragmatischen Ebenen zu erschließen unmöglich bleiben sollte, umso zu verhindern, dass postbiotisches Bewusstsein (in Systemen, Maschinen oder wie auch immer)geschaffen würde?

[ Bezug ]


Pragmatische (keine/1) (#19)
von Willi Wamser
verfasst am 2.2.2005 um 21:01:06

Kontexte, deren Erleben und  … sind fast notwendige einbettungen, will man  frames und scripts sicher erlernen und dann - jetzt mal unterhalb der ethischen Frage nach der Schaffung von erlebnisfähigen Humanoiden - eine sprachliche, eine glückende Kommunikation anstreben.

Deine Kontexte machen die Begriffsverwendung schon annähernd klar. Trotzdem, vielleicht noch mehr zu „postbiotisch” und dem eher missverständlichen „Posthumanität”?


[ Bezug ]



Pantheismus, Emergenz, Verzicht auf Dichotomie (keine/1) (#27)
von Willi Wamser
verfasst am 3.2.2005 um 09:24:53

Pantheismus, Emergenz, Verzicht auf  Dichotomie

Bewusstsein ist eine höherstufige oder emergente Eigensc
haft des Gehirns - und zwar in dem  völlig harmlosen Sinn von „höherstufig” bzw. „emergent”, in dem Festigkeit eine höherstufige, emergente Eigenschaft von H2O-Molekülen ist, wenn sie in einer Gitterstruktur angeordnet sind  (Eis), und in dem Flüssigkeit ebenso eine höherstufige, emergente Eigenschaft von H2O-Molekülen ist, wenn sie, grob gesagt, übereinander herumrollen (Wasser).

Bewusstsein ist eine  geistige - und folglich physische - Eigenschaft des Gehirns in dem Sinne, in dem Flüssigkeit eine Eigenschaft eines Systems von Molekülen ist.

Es liegt mir daran, dass  zumindest eines dem Leser an dieser Stelle ganz klar wird: Daraus, dass etwas ein geistiges Merkmal ist, folgt nicht, dass es nicht physisch ist; daraus, dass etwas ein physisches Merkmal ist, folgt nicht,  dass es nicht geistig ist.


(John Searle „Die Wiederentdeckung des Geistes”, Suhrkamp Frankfurt 1996: S. 28)

[ Bezug ]


Analogie-Argument (keine/0) (#29)
von Willi Wamser
verfasst am 3.2.2005 um 12:06:32

Analogie-Argument "Gekauft"

P1: Pflanzen machen keine Reifungsprozesse in der Familie durch.
P2: Vielleicht wird man sie einmal in pflanzliche Familienbeziehungen involvieren können.
P3: Das werden nun wohl immer andere Familienbeziehungen sein als die des Menschen.
P4: Aber auch Menschen haben nie dieselben Familienbeziehungsoszialisationen.
----------------------------------------------------------------------------
C1: Daher werden Pflanzen - falls sie denn einmal mit einem Sprachmodul ausgestattet werden können -  sozialisationsbedingte Semantikframes verstehend anwenden können, so wie die sozialisationsunterschiedlichen Menschen das tun.
+
P5:  Nun sind aber Tiere sehr viel menschenähnlicher als Pflanzen.
P6: Das gilt insbesondere auch für Paarungsverhalten, Leben in der Kleingruppe, die familienbezogene Sozialisation.
---------------------------------------------------------------
C2: Daher werden Tiere - falls sie denn einmal mit einem Sprachmodul ausgestattet werden können -  sozialisationsbedingte Semantikframes verstehend anwenden können, so wie die sozialisationsunterschiedlichen Menschen das tun.
+
P7: Da prinzipiell alles Geschehen Regeln unterliegt und Regeln prinzipiell formalisierbar sind
P8: und in der bisherigen Argumentation Regeln der Semantik, der Syntax und der Syllogistik angewendet werden.
--------------------------------------------------------------------
C3: ist das Lesen und Verstehen dieser regelgeleiteten Argumentation ein Beleg für das Verstehen von Regeln in Syntax, Semantik und Syllogistik und damit für das Verstehen von allem Regelgeleitetem und Formalisierbarem durch Entitäten, welche regelformalisierte scripts verstehen.

Solche Entitäten sind Du, lieber Leser, und auch Du, lieber C.R.S. (Chinese-Room-System).

Gekauft?

[ Bezug ]



Step by Step (keine/0) (#31)
von Jan Koernicke
verfasst am 3.2.2005 um 12:38:09

P1: Pflanzen machen keine Reifungsprozesse in der Familie durch.

Weiß ich nicht genau. Würde nicht ausschließen wollen, dass es Familien-ähnliche (oder zumindest -analoge) Beziehungen auch unter Pflanzen gibt. Also zumindest stark symbiotische Beziehungen. Frage was ist der hier wesentliche Aspekt an „Familie”? Wäre es bspw. der rein biologische, so ist die Rede von „Pflanzenfamilien” unproblematisch.

P2: Vielleicht wird man sie einmal in pflanzliche Familienbeziehungen involvieren können.

Was auch immer das bedeuten mag: Einem Satz, der mit „vielleicht” beginnt, kann man meistens erstmal zustimmen.

P3: Das werden nun wohl immer andere Familienbeziehungen sein als die des Menschen.

Das scheint wiederum einleuchtend.

P4: Aber auch Menschen haben nie dieselben Familienbeziehungsoszialisationen.

Obviously.

C1: Daher werden Pflanzen - falls sie denn einmal mit einem Sprachmodul ausgestattet werden können -  sozialisationsbedingte Semantikframes verstehend anwenden können, so wie die sozialisationsunterschiedlichen Menschen das tun.

Und wenn der Mond aus Käse ist, kann ich fliegen. Wird das Antezedent einer Subjunktion mit f belegt, wird das Konsequent immer wahr.

P5:  Nun sind aber Tiere sehr viel menschenähnlicher als Pflanzen.

Gut, nach den meisten Ähnlichkeitsbeziehungen dürfte das gelten.

P6: Das gilt insbesondere auch für Paarungsverhalten, Leben in der Kleingruppe, die familienbezogene Sozialisation.

Genau, insbesondere wenn dies die Hauptfaktoren unserer Ähnlichkeitsbeziehung sind.

C2: Daher werden Tiere - falls sie denn einmal mit einem Sprachmodul ausgestattet werden können -  sozialisationsbedingte Semantikframes verstehend anwenden können, so wie die sozialisationsunterschiedlichen Menschen das tun.

Sprechende Chimpansen und Bonobos. Wenn man das „Sprachmodul” nicht als biologisches Modul zur Lauterzeugung sondern als kognitiven Apparat versteht, dann haben manche Tiere den entweder schon - oder Sprechen funktioniert doch anders.

P7: Da prinzipiell alles Geschehen Regeln unterliegt und Regeln prinzipiell formalisierbar sind

Hui, starke These. Da würde ich persönlich keinen zu großen Betrag drauf verwetten.

P8: und in der bisherigen Argumentation Regeln der Semantik, der Syntax und der Syllogistik angewendet werden.

Na, das will man doch hoffen…

C3: ist das Lesen und Verstehen dieser regelgeleiteten Argumentation ein Beleg für das Verstehen von Regeln in Syntax, Semantik und Syllogistik und damit für das Verstehen von allem Regelgeleitetem und Formalisierbarem durch Entitäten, welche regelformalisierte scripts verstehen.

Na, das hätten wir auch einfacher bekommen, oder?
„Wenn alles regelgeleitet ist (auch lesen und verstehen) und etwas gelesen und verstanden worden ist, dann ist das ein Beleg für das Verstehen der Regeln.”

Gegenfrage: Was soll „Verstehen von Regeln” bedeuten? Heißt es lediglich, dass man die Regeln richtig anwenden kann oder, furthermore, dass man diese Regeln auch kennen/ explizieren können muss?

Im ersteren Fall: Klar. (Ein Kind hat die Regeln seiner Muttersprache verstanden, wenn es (im wesentlichen) fehlerfrei spricht. Eine Maschine hat die Regeln des Schachspielens verstanden, wenn sie (im wesentlichen) zulässige Züge macht.)

Gekauft?

Klar. Bei dem Preis. [sml]

[ Bezug ]



Hm, (keine/0) (#34)
von Willi Wamser
verfasst am 3.2.2005 um 13:55:31

es ist schon klar, dass hier ein Argument mit Zwischenschritten expliziert und bis zu einem gewissen Grad persifliert wird? Es lautet in Kurzform so:

Analog können - starke These - alle anderen menschlichen Fähigkeiten formalisiert werden/ müssen formalisierbar sein. Natürlich machen Maschinen keinen menschlichen Reifungsprozess durch. Womöglich werden Maschinen in Zukunft persönliche, existentielle Reifungsprozesse erleben. Aber diese werden immer verschieden von denen der Menschen sein, daher wird eine Maschine nie ganz so sein können, wie ein Mensch.

Gekauft. Aber das gilt auch für zwei verschieden Menschen. Verschieden Reifungsprozesse führen zu verschiedenen Einstellungen, zu verschiedenen Denkweisen. Ich glaube, das Argument schlägt in die falsche Richtung. (




[ Bezug ]


Mit Lag (keine/0) (#12)
von Jan Koernicke
verfasst am 2.2.2005 um 15:00:02

Das wäre dann eine petitio principi. "Alles was Maschinen tun ist Regeln befolgen. Ergo gibt es nichts, was sie tun, was nicht „Regel befolgen” ist."

Die (nicht meine, aber z.B. Searles) Argumentation ist: Computer arbeiten rein syntaktisch, im Sinne von: sie befolgen lediglich vorgegebene Regeln. Sie sind daher nur „syntaxfähig”.
Menschen hingegen sind „semantikfähig”. Denn offensichtlich (so scheint die Argumentation zu gehen) tun wir ja mehr als stupides Regelbefolgen. Wir verstehen den „Sinn” dahinter. Und - das ist der Punkt - dieses „Verstehen” ist nicht auf bloße Regeln/ Syntax reduzierbar.

Und das ist mein Problem: Ich halte es für zumindest plausibel, zu sagen, dass „Semantik” nur eine andere Betrachtungsebene ist und prinzipiell auf „Syntax” reduzierbar ist…

Vorläufige Antwort: Der Umstand, dass es zum Verständnis von menschlicher Sprache einer (computational zugänglichen) Repräsentation der sprachlich ausgedrückten Inhalte bedarf.

ACK, Repräsentationen sind wichtig. Mentale Repräsentationen. Das sind aber wiederum Dingers, die durchaus computaional sind. Bpsw. könnten Merkmalsvektoren als Repräsentationen von Konzepten/ Begriffen verstanden werden…

Ich glaube, wir sind uns einig. ich weiß nur noch nicht genau, was Du unter „Semantik” verstehst.

[ Bezug ]



Semantik und die Logik von Analogie-Argumenten (keine/0) (#20)
von Willi Wamser
verfasst am 2.2.2005 um 23:35:03

(1) Vorschau

(1.1) Hier zwei Thesen:

These 1: Semantik,

also die Wissenschaft von der Bedeutung von Zeichen und die Bedeutung von Zeichen macht der KI Probleme. Die Bedeutung von einzelnen Zeichen und ihre Beziehung untereinander in der Syntax  ist bereits für den Linguisten und die Linguistik  recht schwer zu formalisieren.

  • In einer Disziplin also, wo Linguisten/menschliche Sprachbenutzer die Algorithmen ihrer Verstehensprozesse in Interaktion mit den Bedeutungskonzepten von Lexemen selber beobachten und reflektieren können. Und wo sie ihr Weltwissen und Konnotationswissen und Desambiguierungswissen einbringen können.

  • Es ist nicht auszuschließen, dass es solche Formalisierungen einmal geben kann und dass sie computional umgeformt werden können. Wer will das schon ausschließen?

  • Andererseits: Wie wahrscheinlich ist dies?

  • Und: Was ist von einem Turingtest zu halten, zu dessen Konstituenten gehört, dass ein Computerwesen eben - jenseits aller Wahrscheinlichkeitsüberlegungen - genau dazu imstande sei, Witze, Lebensituationen, Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Artikeln und erlebnisorientierten Texten zu verstehen, so dass es bei einem Judge als humanoides Wesen durchgeht?

These 2 Analogieschlüsse

haben eine beschränkte Demonstrationskraft und unterschiedliche Plausibilität.

  • Eine interessante Argumentationsstrategie von harten KI-Experten arbeitet bei dem Lexem „Verstehen” und „können” mit bewussten oder unbewussten Äquivokationen.
  • Sie setzen solche Muster etwa dort ein, wo es um die Konfrontation mit skeptischen Argumentationen gegenüber „harter KI” geht.

(1.2) Hier ein Pool von Analogie-Argumentationen:

Schwächung durch absurde Analogie

B 1:

Weiße haben Menschenrechte.
Schwarze sind keine Weißen.
=========
Schwarze haben keine Menschenrechte.

Berliner sind Menschen.
Münchner sind keine Berliner.
==========
Münchner sind keine Menschen.

Dieser Schluss macht klar, dass der erste Schluss fehlerhaft ist. Nur wenn gilt, nur Weiße haben Menschenrechte, ist die erste Argumentation gültig.

B 2:

Ein Motor ohne entsprechendes Beiwerk kann sich nicht fortbewegen.
Eine Karosserie kann sich nicht fortbewegen.
Ein Rad kann sich nicht fortbewegen.
Ein Getriebe kann sich nicht fortbewegen.
=
=============
Ein Auto mit M+K+Rädern+Getriebe kann
sich nicht fortbewegen.

Dieser Schluss ist offensichtlich absurd. Es ist keineswegs zwingend,
dass ein Ganzes nicht mehr kann als seine Teile. Daher gilt:

Eine  Karosserie kann sich nicht fortbewegen
Ein Rad kann sich nicht fortbewegen.
ein Getriebe kann sich nicht fortwegen.
=
============
Ein Auto mit K+R+G kann sich fortbewegen.

B 3:

In Searles chinesischem Zimmer sitzt ein Mann.
Er versteht kein Chinesisch.
Seine Bücher sind in Chinesisch geschrieben, sie verstehen kein Chinesisch.
Die Wände verstehen kein Chinesisch.
=
=============
Es ist Blödsinn zu schließen, dass das ganze Zimmer kein Chinesisch
versteht. Das chinesische Zimmer „kann” Chinesisch verstehen.

B 4:

Ein Computer kann Lexeme kombinieren, so dass Syntax entsteht.
Ein Computer kann die Semantik von Lexemen in ihrer Denotation und Konnotation und in ihrer Einbettung in Frames und Scripts kaum erfassen.
Eine Übersetzung aus der englischen Sprache in die deutsche sprache kann das vor augen führen.
=
==================

Es ist Blödsinn zu schließen, dass heutige Computer Semantikprobleme haben und daher auch zukünftige Computer nicht ohne gravierende Semantikprobleme operieren werden.

Außerdem gilt: Merkmalsvektoren können als Repräsentationen von Konzepten/ Begriffen verstanden werden. Also lassen sich schon heute Semantikprobleme in den Griff bekommen.

(2) Semantikprobleme im Detail

Wie können die folgenden Sätze verstanden, in ihrer Regelhaftigkeit beschrieben und dannn formalisiert werden?

(2.1) Disambiguierung durch Erkennen von Frames  oder Scripts:

Beschreiben Sie kurz, welche Prozeduren bei unseren Verstehensvorgängen zu beobachten sind. Untersuchen Sie dazu,

- wie „Weltwissen” (in diesem Fall das Wissen um „schematisierte Abläufe”/Scripts) die anfängliche Unschärfe der folgenden Sätze auflöst:

S11: Ich  verliess die Stadt, bevor sie mich besuchen konnte.
S12: Ich musste das Gästezimmer freiräumen, bevor sie mich besuchen konnte.
S13: Ulla kaufte Anita das Buch ab, weil sie es für den Englischunterricht brauchte.
S14: Ulla kauft Anita das Buch ab,   weil sie es nicht mehr brauchte.
S15: Silvia versuchte Andrea zu retten, weil sie nicht schwimmen konnte.
S16: Silvia versuchte Andrea zu retten, obwohl  sie nicht schwimmen konnte.

- warum Unklarheiten und Irritationen bestehen bleiben:

S17: Sie drehte sich eine Zigarette, stellte die Butter in den Kühlschrank zurück und verliess die Wohnung.
S18: Sie öffnete die Sprudelflasche, stellte den Regenschirm vor die Tür und machte einen Kopfstand.
S19: Sie trank Milch, duschte und zog den Mantel aus.

(2.2) Metaphorisches Sprechen - ein Spezialisten-Dialog:

M1: Ein Spieler wie Beckenbauer machte aus keiner Chance drei Tore.

Wie lässt sich dieser Satz verstehen? Beobachten Sie ihre Verstehensprozesse beim Dechiffrieren.

M2:  Ich küsste das Elfenbein ihrer Schultern, aber meine Geliebte wandte sich von mir ab, ein Herz hat sie von Diamant....

Studieren Sie den folgenden Dialog.  Was halten Sie von den Thesen der Gesprächspartner?

Der sprachanalytische  Linguist:

- Bei einer Metapher der gängigen Art - äh, nehmen wir mal was Barockes
-"ich küsste das Elfenbein ihrer Schultern und meine Geliebte wandte sich von mir ab" - werde ich als textkompetenter Sprecher wohl das Merkmal „fest, knöchern”, das normalerweise zu dem Lexem "Elfenbein gehört,  narkotisieren oder mit einem „delete” ausser Kraft setzen. Nur so ist der widersprüchliche Maschenknoten „körperlich-fleischlich” (Schultern, Liebesbereich) versus  „hornartig” zu entknoten und widerspruchsfrei zu halten.

  • In der Schnittmenge zwischen Bildempfängerbereich und Bildspenderbereich bleibt etwa das Sem „weiss” und  vielleicht noch konnotative Seme wie „edel” übrig. Diese werden durch den neuen Kontext markiert und verstärkt und bestätigt.  Andererseits wachen nun narkotisierte Seme im Allusionssspiel wieder auf: Das Merkmal „hornartig” wird im Kontext von „wandte sich ab” mit dem Deutungsrahmen „spröde” (eine verblasste Metapher) und „hart” in Liebesdingen assoziiert. Und bis zu einem bestimmten Grad durch den Vergleich des Herzens mit einem harten „Diamant” gesichert.

  • Ich denke, dass bei vielen Metaphern diese Zweistufigkeit zum Tragen kommt: Narkotisieren widersprüchlicher Elemente und zwar so, dass die kontradiktorischen Elemente des Bildspenderbereichs zunächst dran glauben müssen, dann aber wieder reingeholt werden. Wie lässt/liesse sich das formalisieren und technisch codieren?  Ist das nicht zu komplex?

Der KI-Simulations-Spezialist:

  • Das Elfenbeinbeispiel ist wundervoll geeignet. Ich vermute, der dargestellte Dechiffrierungs-Prozess ereignet sich jedoch nur beim erstenmal: ich erfahre entsetzt, dass die Angebetete hörnerne Schultern spazieren trägt, kann jedoch aus dem Kontext erschliessen, dass möglicherweise ein mir unbekannter Sprachgebrauch vorliegt. Diesen erschliesse ich qua Entmetapherisierung: Ich lege die Schemata, die durch „Geliebte, deren Schulterbereich mich zu Küssen provoziert” und „Elfenbein” evoziert werden, übereinander.

  • Da, wo Widersprüche existieren, lasse ich die stärkere Aktivierung gewinnen (die Holde ist sowieso viel stärker, weil mein Polysemieverdacht sich vor allem aufs Elefantenhorn beschränkt). Das Resultat ist hoffentlich „hart, glatt, weiss, teuer und unter Exportverbot”. (Natürlich sind nicht die Lexeme das Resultat, sondern die mentalen Konzepte!)

  • Nun prüfe ich, inwiefern sich mein neues Konzept von meiner Defaut-Geliebten unterscheidet und fülle die Differenz in ein Extra-Schema. Dieses ist nunmehr ein Kandidat für ein Elfenbein-Polysem.

  • Wenn ich einen vergleichbaren Text nun mit meiner neuerworbenen Kompetenz studiere, so prüfe ich beide Interpretationen von „Elfenbein” - und zwar in der Präferenz ihrer Wahrscheinlichkeit, die von der Gebrauchshäufigkeit im gegebenen Kontext abhängt. Ich werde daher ganz ohne mentales Stottern zu einer Desambiguierung kommen können.

  • Deine treffend bemerkte Zweistufigkeit lässt sich folgendermassen modellieren: durch den Gebrauch von „Elfenbein” werden die alternativen Assoziationen nicht einfach narkotisiert, sondern im Hintergrund, aber schwächer, voraktiviert. Normalerweise bemerke ich sie nicht, weil ich im Konfliktfalle nur die stärkste Variante betrachte. Im Folgetext bewirkt die Voraktivierung der Alternativen (die angesichts des Umstandes, dass Schultern durchaus hart und knöchern ausfallen können) wahrscheinlich nicht weginhibiert wurden, einen Priming-Effekt.

  • Vermutlich gibt es Polysemien, bei denen die Alternativen nicht einfach überstimmt, sondern aktiv „narkotisiert” (also weginhibiert) werden. In einem solchen Falle wäre ein negativer Priming-Effekt zu erwarten, weil die Alternativen erst mühsam wieder aufgeweckt werden müssen.

(2.3) Kurztexte:

Versuchen Sie durch Selbstbeobachtung herauszubekommen, wie verstehenserschwerende, rezeptionsverzögernde, entautomatisierende Elemente in den folgenden Kurztexten zu einer plausiblen Dechiffrierleistung führen:

T0: Whiskas würden Katzen kaufen. Whiskas würde die Katze kaufen
T1: Outside of a dog a book is man´s best friend.
    Inside of a dog it´s too dark to read. (Groucho Marx)
T2: Der Mensch denkt: Gott lenkt.
T3: Deutsche Kriegsfibel II:
      Die Ehepaare
      legen sich in die Betten. Die jungen Frauen
      werden Waisen gebären. (Bert Brecht)

(3) Analogieschlussprobleme im Detail.

Die Churchlands fahren Searle an die Chinesenkarre

(3.1) Searles „Chinese Room”

hat eine interessante Diskussion ausgelöst, die über Jahre hinweg immer wieder aufflammt. Das Ehepaar Paul und Patricia Churchland konstruiert (1994) eine analoge Argumentation. Das „erleuchtete Zimmer” („luminous room”). Betrachten wir genauer die dabei auftretenden Strukturen .... Zunächst noch einmal Searles Argument des „Chinesischen Zimmers”.

  1.     Computerprogramme sind formal (syntaktisch).
  2.     Dem menschlichen Denken liegen geistige Inhalte (Semantik) zugrunde.
  3.     Syntax an sich ist weder notwendig/konstitutiv  noch hinreichend für
        Semantik/Bedeutungsverstehen.
4.    Programme also sind weder konstitutiv noch hinreichend für Semantik und
        damit für das Denken und   den Geist.

Die Prämisse 3 seines Arguments begründet Searle mit seinem berühmten  «chinese room»-Argument. Gucken wir den Originaltext an,  Searles Kritzel-Kratzel-Diktion macht einigen Spass::

Nun, stellen Sie sich vor, Sie wären in ein Zimmer eingesperrt, in dem mehrere Körbe mit chinesischen Symbolen stehen. Und stellen Sie sich vor, dass Sie (wie ich) kein Wort Chinesisch verstehen, dass Ihnen allerdings ein auf Deutsch abgefasstes Regelwerk für die Handhabung dieser chinesischen Symbole gegeben worden wäre. Die Regeln geben rein formal - nur mit Rückgriff auf die Syntax und nicht auf die Semantik der Symbole - an, was mit den Symbolen gemacht werden soll. Eine solche Regel mag lauten: «Nimm ein Kritzel-Kratzel-Zeichen aus Korb 1 und lege es neben ein Schnörkel-Schnarkel-Zeichen aus Korb 2».

Nehmen wir nun an, dass irgendwelche chinesischen Symbole in das Zimmer gereicht werden und dass Ihnen noch zusätzliche Regeln gegeben werden, welche chinesischen Symbole jeweils aus dem Zimmer herauszureichen sind. Die hereingereichten Symbole werden von den Leuten draussen «Fragen» genannt, und die Symbole, die Sie dann aus dem Zimmer herausreichen, «Antworten» - aber dies geschieht ohne Ihr Wissen. Nehmen wir ausserdem an, dass die Programme so trefflich und Ihre Ausführung so brav sind, dass Ihre Antworten sich schon bald nicht mehr von denen eines chinesischen Muttersprachlers unterscheiden lassen.

Da sind Sie nun in Ihrem Zimmer eingesperrt und stellen ihre chinesischen Symbole zusammen, Ihnen werden chinesische Symbole hereingereicht und daraufhin reichen Sie chinesische Symbole heraus. In so einer Lage, wie ich sie gerade beschrieben habe, könnten Sie einfach dadurch, was Sie mit den formalen Symbolen anstellen, kein bisschen Chinesisch lernen.

Die „Moral” (die Botschaft) von Searles Gedankenexperiment mit dem chinesischen Zimmer lässt sich in ein „Argument” kleiden. Stark angelehnt an Holm Tetens "Philosophisches Argumentieren München (Beck) 2004; Seite 226ff:

1.   
Die Inputfolgen, bestehend aus chinesischen Schriftzeichen, sind auf Chinesisch formulierte sinnvolle Fragen, die Outputfolgen chinesischer Schriftzeichen sind auf Chinesisch formulierte sinnvolle Antworten auf die Fragen.
2.     
Das Outputverhalten des Menschen im chinesischen Zimmer lässt sich nicht unterscheiden von dem beobachtbaren Sprachverhalten eines Menschen, der tatsächlich Chinesisch versteht.
3.     
Der Mensch im chinesischen Zimmer tut dasselbe, was ein Computer einzig tun kann, er transformiert syntaktische Zeichenfolgen nach syntaktischen Regeln in andere syntaktische Zeichenfolgen.
4.     
Das Gedankenexperiment ist gerade so konstruiert, dass klar ist: Der Mensch im chinesischen Zimmer versteht kein Chinesisch und kann durch das, was er dort tut, auch kein Chinesisch lernen.
5.     
Also sind Syntaxtransformationen und das durch sie verursachte Verhalten weder konstitutiv noch hinreichend, um eine Sprache wie Chinesisch zu verstehen.
6.     
Also kann kein Computer je eine natürliche Sprache wie Chinesisch lernen und verstehen.

3.2 Churchlands  "erleuchtetes Zimmer"

Patricia und Paul Churchland wollen Searle widerlegen oder zumindest seine Argumentation stark schwächen, indem sie sein Argument imitieren. Hier ihre Argumentation, die Searles Argumentation gegen  die (harte) KI genau (?)nachahmt.

Ein Forscher  - nennen wir ihn  mit den Churchlands  Searle II - konfrontiert  seine Leser  mit einem  Gedankenexperiment, welches zeigt, dass es keine „künstliche Helligkeit” gibt:  In einem dunklen Zimmer arbeitet sich James Clerk Maxwell mit einem Stabmagneten ab, um künstliches Licht zu erzeugen. Hat er doch die Theorie, dass elektromagnetische Wellen die Grundlage des Lichtes sind. Nun ist dieser Maxwell  eine historische Figur,  berühmt ist sein Satz:

we have strong reason to conclude that light itself (including radiant heat, and other radiation if any) is an electromagnetic disturbance in the form of wave propagated through the electromagnetic field according to electromagnetic laws." (James Clerk Maxwell)

Worum geht es? Wir Menschen der Moderne wissen, dass sich mit Hilfe eines Elektromagneten Elektrizität (und damit auch Licht) bei gewissen Geschwindigkeiten erzeugen lässt: Man vergleiche etwa http://www.walter-fendt.de/ph11d/generator.htm. Und unter Naturwissenschaftlern gilt  James Clerk Maxwell als ein „Gott der Physik”, schon zu seiner Lebenszeit von Erfolg belohnt und von Anerkennung getragen, unsterblich seither als Systematisierer, ein  Euklid der Elektrodynamik.

Die Defizienz der KI nach Searle I

  1.     Computerprogramme sind formal (syntaktisch).
  2.     Dem menschlichen Denken liegen geistige Inhalte (Semantik) zugrunde.
  3.     Syntax an sich ist weder konstitutiv noch hinreichend für Semantik.
  4.     Programme also sind weder konstitutiv noch hinreichend für Semantik
        und  damit für das Denken und   den Geist.

Die Defizienz der KH nach Searle II

  1.     Elektrizität und Magnetismus sind Kräfte.
  2.     Die wesentliche Eigenschaft von Licht ist die Helligkeit.
  3.     Kräfte an sich sind weder konstitutiv noch hinreichend für Helligkeit.
  4.     Elektrizität und Magnetismus sind weder konstitutiv noch hinreichend
        für Licht.

Searle II:

Stellen Sie sich einen dunklen Raum vor, in dem sich ein Mann befindet, der einen Stabmagneten oder einen elektrisch geladenen Gegenstand in der Hand hält. Wenn der Mann den Magneten auf- und abbewegt, dann müsste dieser nach Maxwells Theorie der künstlichen Helligkeit (KH) einen sich ausbreitenden Kreis elektromagnetischer Wellen und damit Helligkeit erzeugen.

Aber wie jeder von uns, der mit Magneten oder geladenen Kugeln herumgespielt hat, nur zu gut weiss, produzieren ihre Kräfte (oder irgendwelche anderen Kräfte), sogar wenn sie bewegt werden, keinerlei Helligkeit. Es  ist somit unvorstellbar, dass man wirkliche Helligkeit einfach dadurch erzeugen kann, dass man Kräfte umherbewegt.

(4) Fazit

Tja, wenn die Kapitel 1 bis 3 durchmustert sind - dann bleibt zu fragen:

  • Ist das Argumentationsmuster und die zentrale These Searles
  • mehr
  • oder weniger entscheidend
  • geschwächt
  • oder gar erledigt?

  • Wie steht es um den „Motor” Semantik (vgl. 1.2 und 2.2)? Läuft das Auto?


[ Bezug ]


Es ist schon spät (keine/0) (#21)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 2.2.2005 um 23:57:28

und nachdem ich mich gerade völlig durcheinander, nach einer konzentrierten, doch unfruchtbaren Bemühung um die Lösung einer noch gestern verständlichen aussagenlogischen Aufgabe, in Nensch wiederfand, gerate ich durch Details in Deinem Kommentar auf ein noch komplexeres Level müden Durcheinanderseins.

Handelt es sich bei 1.2 um logische Schlüsse?

und

Syntax an sich ist weder notwendig/konstitutiv  noch hinreichend für Semantik/Bedeutungsverstehen.
ist diese Aussage wahr?

Herzlichen Dank für eine schmerzlose und einfache Erleuchtung.

[ Bezug ]



Salute (keine/0) (#22)
von Willi Wamser
verfasst am 3.2.2005 um 00:16:52

in 1.2 Analogieschlüsse/Syllogismen, deren Problematik vielleicht deutlich wird.

Das „Semantik ist konstitutiv-Argument” wird von Searle sehr ernst genommen. Ich denke, es ist sehr wichtig. Und spannend ist die Argumentation der Churchlands, die eine Ad-absurdum-Strategie versuchen. Indem Sie die Syntax ironisch mit der Magnetbewegung in Analogie setzen. Und aus der Herstellung künstlicher Helligkeit durch sehr schnelle Magnetbewegungen auf die wahrscheinliche Herstellung von Verstehen/KI durch sehr entwickelte Syntaxprogramme schließen.

Was für Logikaufgaben - war schon bei Deinen Balbina-formalisierungen sehr gespannt geworden - bearbeitest Du gerade?

[ Bezug ]



Achje..., (keine/0) (#24)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 3.2.2005 um 00:23:21

der Kommentar zu Balbina war mir (wenn auch augenzwinkernd, weil stümperhafter)Bestandteil meiner Klausurvorbereitungen. Ich versuche mich  mit Aussagenlogik (zweiwertig), natürlichem Schließen und Quantorenlogik, wie sie für Logische Philosophie vonnöten sind.

[ Bezug ]


Äh (keine/0) (#25)
von Willi Wamser
verfasst am 3.2.2005 um 00:26:40

Conti bei UTB? Oder Thomas Zoglauer (Einführung in die formale Logik für Philosophen) - auch UTB?

Bin immer noch detailneugierig.

[ Bezug ]



Die gelben sind's (keine/0) (#26)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 3.2.2005 um 00:29:28

Horst Wessel,Logik, Logos Verlag 1999

[ Bezug ]


Hehe, (keine/0) (#28)
von Jan Koernicke
verfasst am 3.2.2005 um 11:56:14

hab ich auch noch im Schrank stehen.

[ Bezug ]


Nachtrag... (keine/0) (#23)
von Miriam Sauerthal
verfasst am 3.2.2005 um 00:17:20

ich ziehe zurück- mir war der Unterschied zwischen klassischen, strengen und strikten Folgebeziehungen noch nicht klar.

[ Bezug ]


Schreibfehler (keine/1) (#9)
von Ralf Poschmann
verfasst am 1.2.2005 um 20:43:45

Ein Computer kann wohl kaum „Fehler” oder Defizite einbauen, um vorzutäuschen, er sei ein Computer.
Diesen Satz verstehe ich nicht. Müsste es nicht heißen „er sei kein Computer”? Abgesehen davon, dass die Programmierung immer noch beim Menschen liegt.

Ein Schachspiel ist auch eine Art des Dialogs zwischen zwei Gegnern unter Einhaltung festgelegter Regeln. Ein Hauptziel der heutigen Entwicklung von Schachprogrammen besteht darin, diese „menschliche” Fehler machen zu lassen. Die Programme sind so stark, dass sie bis auf ein Dutzend Spitzenspieler alle anderen besiegen. Damit entfällt für viele der Kaufanreiz. Dieser wird erst dadurch geweckt, dass die Programme fehlerhaft spielen können. Dabei kommt es aber darauf an, nicht einfach ab und zu eine Figur stehen zu lassen, sondern Möglichkeiten einzubauen, wie sie auch in Partien zwischen zwei menschlichen Gegnern vorkommen können.

Spielen die Programme mit voller Spielstärke, so können Computerschachexperten noch relativ sicher entscheiden, ob ein Programm oder ein Mensch eine Partie gespielt hat, weil Stärken und Schwächen von Menschen und Programmen anders verteilt sind und weil jedes der Spitzenprogramme einen etwas anderen Spielstil pflegt (der wiederum von den Präferenzen des jeweiligen Programmierers abhängt).



Menschliche Fehler (keine/1) (#10)
von Gerhard Lawitzky
verfasst am 1.2.2005 um 21:53:22

Das ist ja wie in Hollywood (na gut, auch eine Unterhaltungsindustrie): Da müssen also die Fehler der Cyborgs möglichst authentisch menscheln.

Na, da hätte ich statt meiner besten Partien mal besser meine menschlich-allzumenschlichen gehortet, dann könnte ich die den Programmierern andienen gegen Entgelt. Auch eine Möglichkeit, selbst als Mittelmäßiger zum Schachprofi zu mutieren…

Wie, wenn man einfach auf die Fehler älterer Programme zurückgriffe und die künstlich implementierte? Oder sind die nicht menschlich genug, die Fehler?

Na gut, schöner wäre es sicher, man könnte sich einfach einen Gegner anklicken, z.B. „Onkel Schorsch”, das wäre dann der, der immer grundsolide spielt, es aber in entscheidenden Momenten an Initiative fehlen lässt.

Oder „Vetter Johann”, der dogmatisch auf Qualitäten vertraut und dynamische Vorteile von Opfern nicht zu würdigen weiß. Obwohl, das erinnert schon wieder ein wenig an ältere Programme.

Oder man klickt an müden Abenden auf einen vorwitzigen fiktiven „Neffen Hein”, der ein Gardé immer gerne mit einem Gegen-Gardé beantwortet, das dann wie eine Seifenblase zerplatzt, wenn die eigene Dame einfach schlägt, die andere das aber nicht ohne Schaden kann.

Na ja, das Schachprogramm Fritz kann man auch runtertunen, wenn man der Niederlagen leid ist. Dann zieht er einfach schneller, ohne alles durchgerechnet zu haben. Dann muss man nur noch ein wenig mehr rechnen als Fritz. Aber ob das so menschlich ist?

[ Bezug ]



muss (keine/0) (#11)
von Willi Wamser
verfasst am 1.2.2005 um 22:42:09

präzisieren:

(a) Fehler "machen"

Im angenommenen Beispiel 1.3 gibt es z.b. zwei Rechtschreibfehler, die von dem Judge auch moniert werden. Ein Computerprogramm, das es darauf anlegt,  als Mensch verstanden zu werden - ich bleibe jetzt mal bei dem Anthropomorphismus - könnte gut solche Fehler bringen.

(b) Spiel „unterlaufen”

Ein Mensch, der vortäuschen will, er sei ein Computerprogramm, müsste wohl bestimmte Defizite einbauen, um so den Judge zu täuschen. Solche Defizite kann ein Computer wohl nicht „willentlich” einbauen: Einmal soll er sich ja im turingtest als humanoidgleich bewähren. Dann muss er möglichst perfekt sein. Dann  - wenn er das denn doch spielerisch unterlaufen will - müsste er intentional (oder programmiert) auf ein Niederprogramm greifen, das solche Defizite  ausstellt. Paradoxerweise könnte er dann besonders gut als Mensch durchgehen in der Perspektive des Judge. In der Innenperspektive des Supervision-Judge, der über das Wissen zu A und B verfügt, könnte darüber hinaus das Wissen oder die Frage vorliegen, ob oder dass der computer über ein  „Spieler- und Tricksermodul” verfügt, das mit „Spaß” die Gewinnnorm unterläuft. Und wäre dann besonders menschenähnlich (?).

(c) Trennschärfe bei Ununterscheidbarkeit

Welche Möglichkeiten realistischer Art hat nun der normale Judge noch,  eine fundierte Entscheidung zu treffen?

  • Muss er nicht auf jeden Fall wissen, dass die beiden Probanden ein Vollprogramm drauf haben, das sie aus Täuschungsgründen auch „niederfahren” (lassen) können?
  • Muss er nicht auf jeden Fall wissen, dass der Mensch möglichst kein Niederprogramm fährt?
  • Wenn man das weiß, muss das dann stimmen? Oder fällt dem Menschen plötzlich ein, doch zu tricksen. Ist unvorhergesehenes, normabweichendes Verhalten ein menschliche Differenzqualität? Wenn es aber stimmt, müssen dann Fehler mit einiger Sicherheit auf den computer hinweisen? Oder gibt es Flüchtigkeitsfehler des Menschen, die man nur als menschliche Fehler klassifizieren kann?
  • Wenn nicht, ist dann mit der Unentscheidbarkeit - normalerweise das Bewährungskriterium im turingtest - wirklich etwas über den humanoiden oder nichthumanoiden Charakter des Computers gesagt? Oder fehlt der Unentscheidbarkeit nun jegliche Trennschärfe, welche den humanoiden Computer vom nichthumanoiden unterscheidet?

Unter diesen nichtgeklärten Voraussetzungen verliert wohl auch der turingfreundliche Verfechter des Turing-Testes Boden unter den Füßen? Muss er nicht sozusagen schon wissen, ob ein Computer mit einem bestimmten „Programm” am jeweilgen Schreiben ist, wenn der Judge entscheiden will, ob das nun eine überzeugende Art des Schreibens ist. Und so weiter bis an das quälende Nimmerende?

[ Bezug ]


Shoppen gehen (keine/1) (#33)
von Jan Koernicke
verfasst am 3.2.2005 um 12:56:05

Anstatt folgende an verschiedene Stellen verteilt einzuwerfen, hier alle zusammen:

Max Urchs: Maschine, Körper, Geist - Sehr schön lesbare Einführung zum Maschinendenken, inkl. ausführlichem Turing Test

Daniel Dennett: Consciousness Explained - Starker Titel, starkes Buch. Gut lesbar auch für Laien. (Es gibt/ gab auch eine deutsche Übersetzung)

Tim Crane: The Mechanical Mind. - Einführung in die philosophischen Konzepte, v.a. zu „mentalen Repräsentationen”.

Jürgen Schröder: Einführung in die Philosophie des Geistes - Die komplette philosophische Diskussion auf neuestem Stand. Inkl. aller -ismen, Qualia, Willensfreiheit.

Dietrich Dörner: Bauplan für eine Seele - Mutiger psychologisch-technischer Ansatz für ein konkretes computationalistisches Programm.




Turing und so | 34 Kommentare (34 inhaltlich, 0 redaktionell, 0 versteckt)

Neu anmelden | Fragen und Antworten | Suche | Textsorten | Nensch | Leseempfehlungen | Impressum | Interna | XML | klip