nensch - Ehrlich währt. Ein geistreicher Mensch wäre oft recht in Verlegenheit ohne die Gesellschaft der Dummköpfe.
[François VI. Duc de La Rochefoucauld]
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Das Lästern - Eine Notwendigkeit? (Gesellschaft)
Essay von Boris Lavicka, veröffentlicht am 16.9.2004 um 21:43:25

Jeder Mensch hat auch seine moralische backside, die er nicht ohne Not zeigt, und die er so lange als möglich mit den Hosen des guten Anstands zudeckt.
[Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799]

Niemand wird abstreiten können, dass er schon einmal oder - falls man ein gewissenhafter und halbwegs objektiver Beobachter seines Tuns und Lassens ist - des Öfteren über seine Mitmenschen mit verächtlichen Worten gesprochen hat. Dieses menschliche Phänomen (kein Tier schmäht das andere), das anscheinend an hohe Intelligenz gekoppelt ist, vermittelt bei genauerer Betrachtung keine Freude, so wie auch z.B. das Händewaschen keinen unmittelbaren Lustzuwachs generiert und doch fühlen wir uns danach wohler. Dies mag eventuell mit unserer Anpassungsfähigkeit zusammenhängen, die uns dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen.  


Wir empfinden die von uns geschaffene Zivilisation (stimmt nicht ganz, Kulturen werden nicht geplant, sie verlaufen evolutionär) nur mehr intuitiv als unangenehm und haben sogar gelernt, das anfängliche Unbehagen in Lust zu wandeln. Ob dies nun z.B. das gedrängte Zusammenleben in den Großstädten, die Verwendung von Parfum oder das Verzehren der Speisen mit Besteck ist, all diese Erscheinungen sind uns heute lieb und teuer, obwohl sie eine Denaturierung unseres Wesens sind, dessen Unterbewusstsein das sehr wohl wahrnimmt und dafür einen Preis bezahlt, einen hohen.

Alle psychosomatischen Effekte dieser Entwicklung jetzt aufzählen zu wollen, würde nicht nur diesen Rahmen erheblich überlasten und wäre selbst dann unvollständig, weil die Forschungen der psychologischen Medizin, wie auch jene der Sozialwissenschaften hier noch lange nicht zu Ende sind, falls sie das überhaupt jemals sein werden. Aber einige Therapien für Nebenäste unserer Zivilisationskrankheit können wir uns wenigstens betrachten. Für den zivilisatorisch geschädigten Körper gibt es seit geraumer Zeit probate Mittel zur Heilung oder zumindest zur Linderung. Man setzte der Bewegungsarmut, die nun mal mit dem Sitzen an Schreibtischen einhergeht, die Bewegung entgegen. Ein auf Anhieb einleuchtender, logischer Schritt. Der moderne Büromensch läuft also wieder. Nicht mehr hinter flüchtender Beute, sondern hinter seinem Jogging-Nachbar oder persönlichen Rekorden her. Dies hat nicht nur eine positive Auswirkung auf das physische Wohlbefinden, auch der Geist erfährt eine Reinigung, Auslüftung der oberen Stuben nennen es manche. Für den Körper wird überhaupt sehr viel getan, und besonders den Jugendlichen in den unaufhörlich wachsenden Ballungszentren wird die regelmäßige Leibesertüchtigung von Sportmedizinern und Soziologen wärmstens ans Herz gelegt. Erstere haben eher die Gesundheitskomponente im Auge, während der zweiten Gruppe nicht unbekannt ist, dass Sport das Aggressionspotenzial herabmindert. Eine Herabminderung, die, falls man dem Verhaltensforscher Desmond Morris Glauben schenken darf, gar nicht notwendig ist, sind wir Menschen doch seiner Meinung nach, das friedlichste Lebewesen dieser Erde. Eine andere Spezies hätte sich, so behauptet er, längst ausgerottet, müsste sie unter ähnlichen Bedingungen leben, wie wir es tun.

Hier gilt es einzuhaken und endlich zum eigentlichen Thema zu kommen. Warum sind wir so ausnehmend friedlich (im Vergleich zu anderen Rassen dieses Planets)? Weil uns die Evolution hervorragende Ventile geschaffen hat, die es verhindern, den unmittelbaren Nachbarn bei Zwistigkeiten sofort zu eliminieren. Flucht ist unmöglich - man kann nicht dauernd übersiedeln, wenn man Streit hat -, also greift man zu anderen Behelfen, um mit einer prekären Situation fertig zu werden. Einige Betroffene wählen leider unwillkürlich das Mittel der Autoaggression und werden durch den Verdauungsversuch der Kränkung leidend an Physis und Psyche. Eine unerquickliche Entfaltung, die nicht sein müsste, hätte nicht eine Erziehung zur übertriebenen Zurückhaltung (vermutlich das größte Übel der modernen Menschheit) stattgefunden. Die anderen, welche ebenfalls genau wissen, dass einige Auseinandersetzungen ein hohes Eskalationspotenzial haben, kehren auch rechtzeitig um und belassen Wut und Gram segensreicherweise an der Oberfläche. Und beginnen für sich oder in Gegenwart einer oder mehrerer Vertrauenspersonen zu schimpfen und vor allem - zu lästern. So verblüffend es scheint, es entsteht dadurch kein Schaden, sondern ausschließlich Nutzen. Der Geschmähte hört die Verbalinjurien nicht, mit denen er bedacht wird, kann sich aber denken, dass sie stattfinden, und ist gut beraten, wenn er in gleicher Weise verfährt. Es gilt hier jedoch davor zu warnen, das Lästern mit der üblen Nachrede gleichzusetzen oder gar mit dem Rufmord. Unhaltbare, ehrabschneidende Behauptungen über eine Person von hintenherum in die Öffentlichkeit zu lancieren, können von keinem vernünftigen Menschen toleriert werden. Mit Infamie oder Kabale hat das Lästern nichts zu tun, es ist nicht einmal entfernt verwandt damit. Es ist viel mehr der harmlose Ableger der einst ungeplanten Gewalt, der affekthaften Maulschelle ins Gesicht des Widerparts, des ungestümen Fußtritts ans Bein des Kontrahenten, wenn man so will. Die Zivilisation kontrolliert unsere körperliche Gewalt, und die Evolution passt sich an und kanalisiert sie um. Gegen diese psychohygienische Maßnahme und Wohltat lässt sich eigentlich nichts vorbringen, außer man ist ein französischer Dichter des ausgehenden Mittelalters, aber François Villon hatte bestimmt die Perfidie des Rufmords im Sinn, als er schrieb:

Die Ballade von den Lästerzungen

In Kalk, noch ungelöscht, in Eisenbrei,
in Salz, Salpeter, Phosphorgluten,
in dem Urin von ross'gen Eselsstuten,
in Schlangengift und in Altweiberspei,
in Rattenschiss und Wasser aus den Badewannen,
im Saft von einem Krötenbauch und Drachenblut,
in Wolfsmilch und dem sauren Rest der Rotweinkannen,
in Ochsengalle und Latrinenflut:

In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren.

In eines Katers Hirn, der nicht mehr fischt,
im Geifer, der aus den Gebissen
toller Hunde träuft, mit Affenpiss' vermischt,
mit Stacheln, einem Igel ausgerissen,
im Regenfass, drin schon die Würmer schwimmen,
krepierte Ratten und der grüne Schleim
von Pilzen, die des Nachts wie Feuer glimmen,
in Pferderotz und heißem Leim:

In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren.

In dem Gefäß, drin alles reingerät,
was so ein Medikus herausholt aus den schwieren
Gedärm an Eiter und verpestetem Sekret,
in Salben, die sich in den Schlitz sich schmieren,
die Hurenmenscher um sich kalt zu halten,
in all dem Schmodder, den die Lust
zurück lässt in den Spitzen und den Spalten
(wer hätte nicht durch solchen Schiet hindurch gemusst):

In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren.


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Das Lästern - Eine Notwendigkeit? | 39 Kommentare (39 inhaltlich, 0 redaktionell, 0 versteckt)
Lügen (4.33/3) (#7)
von Ralf Poschmann
verfasst am 16.9.2004 um 19:30:24

Vom Lästern war mir noch nichts bekannt, aber das Lügen ist nach Ansicht von Verhaltensforschern eine der wesentlichen Gründe für die irgendwann in der Menschheitsgeschichte rapide einsetzende Entwicklung der Intelligenz und vielleicht auch für das Entstehen des Bewusstseins, KI-Forscher aufgepasst! Durchschnittlich sechzehnmal am Tag lügt der moderne Mensch, oder war es gar sechzehnmal in der Stunde?

Die Wissenschaft ist der Meinung, dass Lügen eine unabdingbare Voraussetzung menschlichen Zusammenlebens ist, zum Beispiel: „Schatz, du siehst heute wieder gut aus.” Die hohe Intelligenz wird dabei sowohl auf der Seite des Lügners als auch auf der seines potenziellen Opfers benötigt. Früher zum Beispiel ging „Liebling, Milch war alle, ich habe uns Bier mitgebracht” vielleicht noch durch. Heute weiß frau, dass die Milch im Supermarkt niemals alle wird, mann muss sich etwas Neues einfallen lassen.

Bei dieser Lügenzählung ist der Selbstbelug noch gar nicht erfasst. Aber es gibt Untersuchungen, die eindeutig belegen, dass das Bild, das jeder von sich selbst hat, stets viel besser ist, als das, welches andere von einem haben. „Das ist auch gut so”, sagt dazu der Sarkastiker, „ansonsten würden die Bäume im Stadtpark gar nicht reichen, um alle die aufzunehmen, die der Blitz der Selbsterkenntnis getroffen hat.”  



Fachbegrifflexikon Islam "Taqya" (keine/2) (#8)
von Karla Montasser
verfasst am 16.9.2004 um 19:52:57

Die Wissenschaft ist der Meinung, dass Lügen eine unabdingbare Voraussetzung menschlichen Zusammenlebens ist, zum Beispiel: „Schatz, du siehst heute wieder gut aus.” Die hohe Intelligenz wird dabei sowohl auf der Seite des Lügners als auch auf der seines potenziellen Opfers benötigt. Früher zum Beispiel ging „Liebling, Milch war alle, ich habe uns Bier mitgebracht” vielleicht noch durch. Heute weiß frau, dass die Milch im Supermarkt niemals alle wird, mann muss sich etwas Neues einfallen lassen.

Im Islam ist Lügen - anders als im Christentum - unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt bis erwünscht. Zum Beispiel in dem obigen Fall, in dem Ehefrieden hergestellt werden soll.
Interessant, oder?
Andere erlaubte Lügen: Höflichkeitslügen und Lügen in Lebensgefahr. (Zwischen Sunna und Shia gibt es da noch jede Menge Differenzierungen, aber hier ging es ja einfach nur ums Lügen an sich …)

[ Bezug ]



Kafka (keine/1) (#9)
von Karla Montasser
verfasst am 16.9.2004 um 20:01:38

Einer meiner hoffentlich interessanteren Ansätze bezüglich Kafkas Tagebücher ist die Aufgabe der Idee, ein „Tagebuch” sei so was wie der „authentische Abdruck” eines Lebens oder der Schreibende würde „die Wahrheit und nichts als die Wahrheit” sagen.
(Davon geht eine naive Lesart von Tagebüchern natürlich immer aus. Dabei werden weder „literarische Skizzen” berücksichtigt, noch eine immanente „Halböffentlichkeit”, die ich im Schreiben herstelle, sobald ich befürchte, dieses Buch könne auch nur meiner Mutter in die Hände fallen.

Schließlich, und das ist vielleicht das interessanteste: M.E. lügt Kafka an einigen Stellen ganz bewußt. Er schreibt z.B. das Gegenteil von dem, was man als Kafkaforscher annehmen müßte, wie er sich tatsächlich gefühlt hat.
Z.B.: Diese Frau bedeutet mir nichts. Ich war glücklich.

Dieser Satz sei aber (Kafka hat sich von allen Schriftstellern mit am besten selbst durchschaut) eine „für Kafka offene” Lüge. Wenn er nun - These - diese Lüge wiedergelesen hat, konnte er sich aber um so besser an die „Wahrheit” erinnern.

Selbstversuch: Sich selbst versuchen, schriftlich anzulügen und nach einigen Tagen wieder anschauen. Die Situation, in der gelogen wurde, sollte sehr plastisch vor Augen stehen (und damit etwa für literarische Arbeit wieder verfügbar sein, worauf es ja bei dem Tagebuch eines Autors letztendlich ankommt).

Habt Ihr auch so Erfahrungen mit dem „literarischen Lügen”?

Spannend!

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Kennst Du die Stelle (keine/0) (#14)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 17.9.2004 um 09:10:37

bei Janouch, wo er auf die einzige Lüge, die er je an Kafka wahrgenommen hat, hinweist und die Erklärung Kafkas dazu anführt?

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Hab ich jetzt nicht parat. (keine/0) (#15)
von Karla Montasser
verfasst am 17.9.2004 um 09:35:39

Aber ich weiß, wie Janouch Kafka sieht. Und bei seinem Bild „kann” Kafka nicht lügen. Nicht wirklich.
Er könnte z.B. auch nicht „lästern”. Aber Kafka hat über Felice Bauer (mit deren besten Freundin Grete!) ohne Ende „gelästert”. In Briefen und in Gesprächen. Bis dahin, wie sehr ihn ihre Goldplomben abstoßen!
Nicht ohne sie später wieder heiraten zu wollen. Das wird wohl auch kaum ohne „Lügen” ausgekommen sein. Und wenn man mal all die Anklagepunkte im „Prozeß” zusammensucht, (darunter Aufsuchung von Prosituierten, Vorspiegelung falscher Tatsachen vor der Verlobten, Kaltherzigkeit gegenüber einem guten Onkel usw.) muß einem doch klar sein, daß Kafka zumindest irgendeine Ahnung vom „Lügen” gehabt haben muß, selbst wenn Milena Jesenska und andere noch so sehr auf der „Wahrhaftigkeit” Kafkas herumgeritten sind.
(Ich verehre Kafka sicher genauso wie Du, aber gerade deswegen finde ich, daß seine Freunde ihm hier nicht gerecht werden. Mein Kafka darf ruhig ein wenig menschlicher sein und mehr menschliche Fehler haben.)

Was ich aber hier meine, ist ein anderes, eben ein „literarisches” Lügen, das schon erste Überformungen zu literarischen Texten in sich beinhaltet. Und dieses „Lügen” im Tagebuch finde ich einfach sehr spannend.

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Reflektierte Lügen - reflektierte Idolisierung (keine/0) (#17)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 17.9.2004 um 10:04:51

Je nun, Janouch schreibt ja im Vorwort sehr ausführlich, dass er Kafka zu einer Art Privatreligion ausgebaut habe, und dass er daher auch kein Interesse an seinem literarischen Schaffen habe.
Da ist schon salvatorische Klausel genug, dass man alles Nachfolgende unter diesem Blickwinkel sieht und eben auch als Glorifizierung lesen muss.

Dennoch: In besagter Stelle erläutert K. sehr eingehend, warum er auf die Frage „Wie geht es Ihnen?” immer lügt. Er empfinde diese Frage nämlich - angesichts unaufhaltsamen körperlichen Verfalls - als indiskret bis unappetitlich.

„Was macht die werte Verwesung?”. So oder ähnlich (aus dem Kopfe zitiert) paraphrasiert er die Frage. Und im Kern wird auch verständlich, was Janouch eigentlich sagen will: Wer sich skrupulös darüber Rechenschaft ablegt, warum er auf eine derart konventionelle Frage mit der konventionellen Lüge „Es geht mir gut” antwortet, der hat wohl wirklich ein besonderes Verhältnis zur Wahrheit.

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Ich erinnere mich ... (keine/0) (#18)
von Karla Montasser
verfasst am 17.9.2004 um 11:49:45

Aber da bin ich übrigens der gleichen Meinung. Kafka hatte eine ungeheure (im wahrsten Sinne des Wortes) Sensibilität gegenüber „konventionellen” Lügen und Widersprüchlichkeiten und Rohheiten der Gesellschaft. (Denen er sich trotzdem lange Zeit seines Lebens offenen Auges unterwarf). Ein Großteil seines Werkes dreht sich darum.
In der literarischen Selbsterkenntnis dieser Rohheiten auch bei sich selbst (die von der Gesellschaft niemals geahndet worden wären) ist Kafka für mich der Schriftsteller par excellence.

Verfolgt man die Rezeptionsgeschichte seines Werkes ein wenig, fällt auf, wie groß das Unv erständnis selbst seiner besten Freunde gegenüber dieser Sensibilität Kafkas war.
Brod wäre z.B. die Idee, den Besuch bei Prostituierten unmoralisch zu finden, einfach nur gänzlich fremd gewesen.
„Nicht man selbst sein” - sicher die größte Lüge in Kafkas Augen, war auch von allen seinen Freunden (vielleicht mit Ausnahme Milena Jesenskas) akzeptierte gesellschaftliche Realität.

Das von Janouch beschriebene Beispiel ist damit in meinen Augen eher eine ironische Beschreibung von Kafkas Gesamtzustand, nicht „Ausnahme”.
Kafka drückt damit aus: Sie dürfen mich nicht die kleinste und harmloseste Frage fragen, ohne daß ich mich in meinem „weil ich” bedrängt fühle.

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Überzeugt. (keine/0) (#19)
von Dirk Hüske-Kraus
verfasst am 17.9.2004 um 11:57:39

Vor allem durch Deine, den sprachlichen Duktus Kafkas so gut treffende Formulierung „Sie dürfen mich nicht die kleinste und harmloseste Frage fragen”.

Einziger Zweifel und Frage an womöglich anwesende Germanisten: Ist die figura etymologica in „Frage fragen” typisch für Kafka?

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Anwesende Germanistin hier! (keine/0) (#20)
von Karla Montasser
verfasst am 17.9.2004 um 12:07:33

Nein. Kafka hätte sicher „Frage stellen” gesagt (und eine Frage „stellen” ist bildlich eben auch was ganz anderes als eine Frage „fragen” oder gar „haben”. Aus genau solchen Unterschieden schöpft Kafkas Sprache ihre bildliche Brillanz.).

Aber ich frag mich halt gerade so ein paar Fragen …  

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Dem stimme ich nicht zu: (4.00/4) (#3)
von Lilo Ihringer
verfasst am 16.9.2004 um 17:43:18

Und beginnen für sich oder in Gegenwart einer oder mehrerer Vertrauenspersonen zu schimpfen und vor allem - zu lästern. So verblüffend es scheint, es entsteht dadurch kein Schaden, sondern ausschließlich Nutzen.

Die dritte beteiligte Partei wird außen vor gelassen. Es gibt nicht nur den Lästernden und den Belästerten, es gibt auch die Vertrauenspersonen, die vielleicht ertragen müssen, dass über Menschen, die sie mögen, hergezogen wird, ohne dass sie dem Widerstand entgegensetzen können, weil ja alles angeblich nur Lästern ist.

Redaktionell fehlt mir, von wem die Villon-Übersetzung stammt. In meiner Brecht-Sammlung habe ich sie nicht gefunden.  



Desentwegen (keine/0) (#5)
von Boris Lavicka
verfasst am 16.9.2004 um 17:55:36

Sollte es ja diskutiert werden. Ich bin kein Dogmatiker und das da oben sind beileibe keine Auszüge aus einer objektiven Diplomarbeit. Muss man jetzt jedes mal: meine Meinung, meine Sicht, ja, meine ganz persönliche Sicht! dazuschreiben.

Die Übersetzung ist vom Pauli Zech. Hätte ich auch noch schreiben sollen, wann Villon genau lebte, wo er geboren wurde, wo er starb? - einige Leser werden ihn nämlich gar nicht kennen. Dito zum Lichtenberg-Zitat. Ich weiß nicht, in welcher Schrift es zum ersten mal und in welchem Zusammenhang es publiziert wurde. Ich hoffe auf allergrößte Nachsicht der gesamten Leserschaft.

Danke für die Hinweise, liebe Lilo!

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In Sachen (keine/0) (#6)
von Lilo Ihringer
verfasst am 16.9.2004 um 18:08:35

Lästern bin ich extrem vorgeschädigt, kann da also nicht wirklich mitreden (falscher Tag, falsche Zeit, falsche Erinnerungen).
Der Villon-Übersetzer interessiert mich wegen meinem Interesse an Brecht. Danke.

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Ich als solcher (keine/0) (#1)
von Hartwig Kinder
verfasst am 16.9.2004 um 16:29:38

bin glühender Gegner der üblen Nachrede, ähnlich wie dieses schöne Lied besingt (bitte die Werbeaufblendung wegklicken). Jedoch kann ich nicht umhin es hier zu gestehen: Auch ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich in Momenten der Unachtsamkeit, gar des Trunkes und ähnlicher Verführungen, dies eine oder andere üble Wort über einen Mitmenschen gedacht habe. Dafür meine herzlich und ernst gemeinte Entschuldigung.

Nensch - es nenschelt auch hier



Gedacht, Hartwig? (keine/1) (#2)
von Beate Borgmann
verfasst am 16.9.2004 um 16:56:09

Nur gedacht? Also dann musst du dich dafür auch nicht entschuldigen. Das ist ja nicht mal lästerlich!

[ Bezug ]


ich nehme an, Du benutzt den (keine/0) (#10)
von Hartwig Kinder
verfasst am 16.9.2004 um 22:07:25

gleichen Ironiefaktor wie ich? Das ergibt manchmal so gegenseitig aufhebende Wirkung, ähnlich wie beim Schall (also waldmäßig und so). Ein fürbasses Erstaunen oder ein polterndes zur glatten Lüge Erklären hätte hier dem Diskussionsfluß sicherlich mehr genützt. Aber so ist das mit Lübeckern: Sind sie gut, dann sind sie sehr gut. Und von den anderen hört man nichts.

[ Bezug ]


Glühender Wein, du bist so... (keine/1) (#4)
von Boris Lavicka
verfasst am 16.9.2004 um 17:46:13

Anna Pfirsich bin ich ja ein glühender Verfechter der sofortigen Andenkopfwerfungen. Aber immer wird das halt nicht gespielt und dann hilft nur die Lästerei.

Jedoch arbeite ich an einem gut funktionierenden Abprall-Mechanismus, der mir hilft, endlich das emotionale Phlegma der Weisen vom Berg zu erreichen. Bis dahin ist es ein harter, mit haushohen Felsen verbarrikadierter Weg, den ich, schon aus Unterhaltungsgründen, regelmäßig verlassen werde müssen können möchte.

[ Bezug ]



Ja, ich hab schon gehört, (keine/0) (#12)
von Hartwig Kinder
verfasst am 16.9.2004 um 22:10:20

die Whiskey-Marke mit den zwei Buchstaben. Denn an den Kopf werfen geht halt nur akustischerseits. Geschriebenes kann dem zu titulierenden Gesprächsopponenten ja höchstens ins Gesicht springen und braucht hierzu eine proaktive Kraft. Bei reinen Reaktionsspielchen klappt das natürlich nicht.

[ Bezug ]


Ich schließe mich dem Hartwig zu.. (keine/0) (#11)
von Mira Böse
verfasst am 16.9.2004 um 22:09:35

…Lästern ist eine üble Sache.

[ Bezug ]


Hören Sie auf die Frau, (keine/0) (#13)
von Hartwig Kinder
verfasst am 16.9.2004 um 22:12:18

die sich angezogen vor einen Ganzkörperbräuner setzt. Die hat Ahnung vom Luxus. Außerdem gehört dazu ihr lobendes Naturell.

[ Bezug ]


Das ist... (keine/1) (#22)
von Soenke Greimann
verfasst am 17.9.2004 um 13:54:04

…kein Ganzkörperbräuner, Hartwig, sondern das berüchtigte „Fenster zum Hof”, allerdings nicht das, durch welches der Rollstuhlgefesselte Spion spiekt. Auch mache ich im Angesicht des lobenswerten Naturells meiner Zarewna nicht braun… Und angezogen schon gar nicht… Hähä!

Beim Luxus allerdings, gebe ich Dir zaghaft recht. Allerdings ist sie für mich kein Luxus mehr, sondern Notwendigkeit.

[ Bezug ]



so so, Du machst nicht braun, (keine/0) (#24)
von Hartwig Kinder
verfasst am 17.9.2004 um 14:10:56

sondern eher blau, was? Sozusagen ein Ganzkörperbläuer oder wie auch immer. Nun ja, ich gehe täglich an einer dieser Autoniederlassungen vorbei, bei denen schon die Monatsmiete mehr kostet als eins ihrer Modelle, und da lese ich doch immer wieder: Kunst ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Nu weiß ich endlich, von wem die das haben. Nur der Markenname sagt mir wenig, Saab hielt ich bisher hauptsächlich für das bekannteste Anti-Blähungsmittel für Babies.

[ Bezug ]


Saab® is eine ssööne Auto! (keine/1) (#27)
von Soenke Greimann
verfasst am 17.9.2004 um 14:59:55

Und wenn ich mal groß verdiene, fahre ich auch einen… „Opel® faahn” ist zwar schon „wie wennze fliechs!”, aber Saab® fahren ist am fliegen noch ein bißchen näher dran!

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Danke, Boris! Jetzt fühle ich mich viel wohler. (keine/0) (#16)
von Mihail Lungu
verfasst am 17.9.2004 um 09:50:02

Das ist wie nach einem Besuch beim Psychiater: Geheilt ist man zwar nicht, die eigene Krankheit stört einen aber weniger…

PS
Wie kommt es, dass Du so ohne Not geständig wurdest?




Segelwindnehmender (keine/0) (#21)
von Boris Lavicka
verfasst am 17.9.2004 um 12:27:39

1. werden Geständnisse oft wohlwollend von der allerwertesten Richterschaft betrachtet und führen zuweilen zum Freispruch und 2. steht, wenn man diese Netzseite heraufruft manchmal Nensch | Ehrlich währt in der Browser-Titel-Leiste.

Was ich Dich eigentlich drüben in Deinem NTB fragen wollte, aber der Einfachheit halber gleich hier tue: Soll ich Dich weiter als Paul ansprechen oder ist Dir ein Wechsel zu Mihail lieber?

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Wie Du willst, lieber Leon... (keine/0) (#32)
von Mihail Lungu
verfasst am 17.9.2004 um 15:19:35



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Lästerei (keine/1) (#23)
von Rainer Müllan
verfasst am 17.9.2004 um 14:07:43

Ich glühe (gemeinsam mit Hartwig) gegen die Lästerei. Es ist bisweilen einfach nicht auszuhalten. Da plaudert man zu dritt und kaum ist einer weg hört man schon: „Der mit seiner dauernden Rechthaberei. etc.”. Oder: Das nette Lächeln und Grüßen und hinterdrein: „Der … ist mir vollkommen gleichgültig. Soll mich doch gern' haben. etc.”. Durchaus Dinge die zutreffend sind, aber es stört trotzdem. Mangelt es an Mut dem anderen seine Meinung ins Gesicht zu sagen? Gut, aber dann kann man sie doch für sich behalten, oder? Natürlich kann man versuchen über jemand abwesenden zu reden, aber das sollte im Rahmen bleiben. Kurzum: Ich meine in der Lästerei liegt eine Art Unehrlichkeit bzw. Feigheit, die mir ganz und gar nicht behagt.

Nicht dass ich in dieser Hinsicht perfekt wäre - im Gegenteil, denn man ertappt sich doch immer wieder dabei.



Lustgewinn (keine/0) (#25)
von Balbina Laye
verfasst am 17.9.2004 um 14:23:00

Natürlich vermittelt Lästern einen unmittelbaren Lustgewinn. Lästern ist nichts anderes als die Projizierung der eigenen Minderwertigkeiten auf andere Menschen. Diese (sehr temporäre) Befreiung von den eigenen Lasten ist der Lustgewinn.



Geifernde Neandertaler (keine/0) (#26)
von Boris Lavicka
verfasst am 17.9.2004 um 14:48:27

No, dem stimme ich nur äußerst eingeschränkt zu. Das mag eventuell bei den extrem schlichten Figuren, die keinen Deut zur Eigenreflexion fähig sind, so sein. Falls ich bei mir Minderwertigkeiten oder Unzulänglichkeiten orte (kommt am Tag 4-5 mal vor), mache ich mich darüber als Erster lustig. Wenn das auch nicht hilft, ohrfeige ich mich sogar, was gar nicht so leicht ist, weil man bei Autobackpfeifen nicht ordentlich ausholen kann.

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Frage zur rechten Schreibung (keine/0) (#28)
von Lilo Ihringer
verfasst am 17.9.2004 um 15:06:07

Das Tal ist ja nach dem Herrn Neanderthal benannt.
Das Museum heißt immer noch Neanderthal-Museum.
Das Tal wird manchmal mit, manchmal ohne h geschrieben.
Das Radio schreibt sich ohne h.
Der Steinzeitmensch, der nach dem Tal benannt ist, manchmal mit, manchmal ohne h.
Der Duden sagt ohne h.
Schreiben sich die Nenschen der modernen Steinzeit
tatsächlich ohne h?
Ich bin verwirrt.

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Jammerthal Orthographia (keine/0) (#33)
von Boris Lavicka
verfasst am 17.9.2004 um 15:23:05

No, ich möchte diese Entscheidung dem Verfasser überlassen. Verstanden wird er ja in beiden Fällen.

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Selbstwert (keine/0) (#29)
von Balbina Laye
verfasst am 17.9.2004 um 15:06:14

Wie schön, Boris, dass Du Dich in -und auswendig kennst. Dann bist Du ja vom Lästern vollkommen befreit, oder!

BTW: Die sogenannten Minderwertigkeiten enstehen alle aus einem mangelnden Selbstwertgefühl und ich glaube, dass jeder Mensch davon betroffen ist - mas o menos, denn unsere Kultur baut auf den „Minderwertigkeiten” des Menschen auf. Ich erinnere nur an die noch harmlosen Sprüche „wir sind halt nur Menschen” oder „das ist menschlich”. Kein Wunder, dass man das lieber bei den Anderen sieht.

Solange Menschen nicht wirklich intelligent werden, solange wird es auch das Lästern geben, denn „ich bin nicht wie Jene” (Schwachen, Häßlichen, Behinderten, Alten, Blöden, Dummen…)

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Unwirkliche Intelligenz (keine/1) (#31)
von Boris Lavicka
verfasst am 17.9.2004 um 15:16:26

Ich kenne mich ganz sicher außenwändig. Sogar von hinten, weil ich jemand habe, der mir erzählt, wie's dort ausschaut.

Mit dem Innenwändigen ist das nicht so einfach, weil ähnlich wie auf der Außenseite (Falten, Runzel, Pickel etc.) andauernd was dazu kommt. Da gilt es genau zu beobachten.

Noch mal: Ich bin eben nicht vom Lästern befreit, bekenne aber freimütig, dass ich zuerst über mich selbst hämisch lache, bevor sich meine Hähä-Kartätsche auf andere einschießt.

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wenn diese Esopauschalreisen (keine/2) (#30)
von Hartwig Kinder
verfasst am 17.9.2004 um 15:10:52

denn auch immer so undifferenziert ihr Ziel erreichten, hach dann wäre Busch der amerikanische Schmidt, die Taliban probten bei Monty Python, die tausendfach potentiellen Rabinkiller täten jüdische Witze verzählen und unsere Erz-Bischöfe? Die wären die Schirmherern der Transenvereinigungen und Taufpaten ihrer Priester.

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Beweis (keine/0) (#34)
von Balbina Laye
verfasst am 17.9.2004 um 15:38:46

Jaja, wir sind halt nur Menschen, nicht!

[ Bezug ]


Gewinnen von Lust (keine/0) (#36)
von Kevin T. Stickel
verfasst am 17.9.2004 um 16:19:16

Lästern mag viele Ursachen haben.
Projektion, Feigheit, Anerkennung oder vielleicht auch einfach verletztes, bzw. „nicht ausreichend gewürdigtes” Ego.

So oder So.

Gibt es etwas schlimmeres ist als ein vollkommen unbeschriebenes Blatt?

Wie schrieb ein Zen-Mönch vor Jahrhunderten:
„Traue nicht dem Mann (/Männin d.R.), der noch keine Fehler gemacht hat. Traue lieber dem, der seine aufrichtig bereut.” (sinngemäß)


[ Bezug ]



Wenn ich´´s nicht besser wüsst: (keine/0) (#35)
von Willi Wamser
verfasst am 17.9.2004 um 16:06:32

auf dem Foto ist der boris der Zwerenz.



Auge des Betrachters (keine/1) (#37)
von Boris Lavicka
verfasst am 18.9.2004 um 03:40:40

No, auf Anhieb erkenne ich keine allzu große physiognomische Similarität mit jenem Herrn.

Aber vielleicht weißt Du ja, wo eins zu finden ist, das den aufbrausenden Gerhard Anfang seiner 40er zeigt.

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correct, (keine/0) (#38)
von Willi Wamser
verfasst am 18.9.2004 um 11:57:22

ich meine den brandjuvenilen Gerhard

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Seufzerunterstützte Aufatmung (keine/0) (#39)
von Boris Lavicka
verfasst am 18.9.2004 um 13:10:44

No, das zaubert mir ein Prinzessin-Di-Lächeln aufs kurzfristig verstörte Antlitz, suchten mich doch schon die mit nässendem Ausschlag übersäten Dämonen der Befürchtung heim, welche mir mit garstigem Brodem zuzischten, der Verfall meiner Hülle sei weiter fortgeschritten, als mir lieb wäre.

[ Bezug ]


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